Tonspion Umfrage: Der Kunde ist willig, das Angebot schwach

In den vergangenen Monaten hatten wir gemeinsam mit den beiden Medienforschern Till Grusche und Daniel Gerloff eine große Umfrage unter unseren Nutzern zum Thema Musikkonsum gestartet. Hier die bemerkenswerten Ergebnisse in der Zusammenfassung.

Zum zweiten Mal innerhalb von 15 Monaten haben die Medienforscher Daniel Gerloff und Till Grusche in Zusammenarbeit mit dem Musik-mp3-Magazin tonspion.de eine große Studie über das aktuelle Musikkonsum- und Kaufverhalten von Musikfans im mp3-Zeitalter durchgeführt.

Mit knapp 3000 Teilnehmern gibt diese Untersuchung damit nicht nicht nur eine genaue und aktuelle Auskunft über den Status Quo ? im Vergleich mit den Zahlen der letztjährigen Ersterhebung zeigt sie auch Trends und Entwicklungen bei diesem für die Musikindustrie so heiklen Thema auf.
Hier die Kernergebnisse der jüngsten Studie:

MP3 Nutzer sind die besten Kunden

Die Umfrageteilnehmer zeichnen sich als extrem fleißige CD-Käufer aus. 27% der Teilnehmer hatten in den letzten drei Monaten vor der Umfrage 3-6 CDs gekauft, weitere 22% sogar mehr als 6 CDs.
Zusammengenommen macht das (nach Definition des Bundesverbandes der Phonografischen Wirtschaft) 49% Intensivkäufer. Die wichtigste Kundengruppe der Musikindustrie überhaupt ist damit fast genauso zahlreich vertreten wie vor einem Jahr (58%).
Fast die Hälfte aller Befragten kauft also weit mehr CDs als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Und das, obwohl gleichzeitig weiterhin große Begeisterung für den mp3-Download herrscht.

Filesharing-Tauschbörsen - nach wie vor ein heißes Thema.

Im Vergleich zu 83% Filesharern in der letzten Umfrage ist auch bei der Nutzung von Tauschbörsen ein kleiner Rückgang festzustellen ? jetzt nutzen 75% P2P-Tauschbörsen zum Download. Nichtsdestotrotz ist die Musikindustrie offensichtlich nach wie vor weit davon entfernt, das Thema Filesharing ad acta legen zu können.
Kazaa Lite und Edonkey sind mit großem Abstand die wichtigsten Tauschbörsen (51,1% und 41,2%), während die Originalversion von KaZaa mit 11,6% einen tiefen Absturz hinter sich hat. Spyware-Beigaben scheinen also keinerlei Akzeptanz bei den Nutzern zu finden.

Und die von den beiden Medienforschern befragten Musikkonsumenten geben auch gleich eine Antwort darauf, warum es möglich ist, die Leidenschaft für kostenlose mp3s auf der einen Seite und CDs auf der anderen Seite unter einen Hut zu bringen: Vordringlicher Zweck der Downloads ist nämlich nicht der Ersatz der Original-CD.

72% der Befragten haben sich auch schon einmal eine Original-CD noch nachträglich gekauft, obwohl sie vorher schon die meisten Songs als mp3 besessen hatten. Hier bestätigt sich ganz deutlich ein eindrucksvolles Ergebnis der letztjährigen Umfrage:
Die Haupt-Motivation beim mp3-Download liegt nämlich im ?Entdecken neuer Bands?.

Musik ist zu teuer

Die Umfrageergebnisse sagen auch deutlich, wie man wieder mehr Käufer in die Plattenläden bekommen könnte: Preise senken. Der Preis spielt neben dem Künstler die ausschlaggebende Rolle bei der Entscheidung für oder gegen den Kauf einer neuen CD. Der angemessene Preis liegt nach Meinung der Befragten bei durchschnittlich 11,48 EUR.

Und niedrigere Preise könnten höchstwahrscheinlich auch das Musik-Download-Geschäft ankurbeln. Bisher nutzen die befragten Musikfans kostenpflichtige Downloads nämlich praktisch gar nicht: Nur 3% der mp3-Downloader gaben an, sie hätten bereits kostenpflichtige Angebote für den mp3-Download genutzt.
Dieses Ergebnis fällt umso drastischer aus, da die grundsätzliche Bereitschaft zu zahlen sich im Vergleich zum letzten Jahr massiv erhöht hat: Inzwischen sind 71% der Befragten grundsätzlich bereit, für mp3s Geld zu bezahlen. Der Anteil der Zahlungswilligen hat sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Dieses drastische Missverhältnis zeigt eines ganz deutlich: Die aktuellen Angebote der Downloadplattformen können die Musikfans keineswegs überzeugen. Nur 3% aller Befragten können sich vorstellen, mehr als 1 EUR pro mp3 zu bezahlen.

Die momentan am Markt übliche Preise zwischen 1 und 2 Euro übertreffen damit die Preisvorstellung der Konsumenten bei weitem. So ist es auch nicht verwunderlich, dass entsprechende Download-Plattformen in Deutschland bisher quasi überhaupt nicht genutzt werden - trotz der hohen Bereitschaft der Umfrageteilnehmer, für mp3s zu bezahlen.
Eine Bankrott- Erklärung für die bisherigen Download-Modelle hierzulande.

Die kompletten Umfrageergebnisse veröffentlichen wir auf unseren Sonderseiten "Zukunftsmusik". Dort stellen wir auch das Buch vor, für das die Umfrage erstellt wurde: "Die Zukunft der Musikindustrie" von Mike Friedrichsen, Daniel Gerloff, Till Grusche und Tile von Damm.

Unter den Teilnehmern haben wir folgende Preise verlost
1. Preis
iRiver iHP100 10 GB: Anna Walter
2.-4. Preis
Buch "Die Zukunft der Musikindustrie":
Daniel Felber, Claudia Scheele, P. Eustermann
5.-7. Preis
Buch "Burn, Mix & R.I.P.": Stefan Gronemeier, Katja Grund, Tobias Berens
8.-10.
je 1 Überraschungs CD
Dieter Engemann, Jan Saloha, Kerstin Hänel
Die Gewinner werden benachrichtigt.

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