Tschick: Soundtrack zum neuen Film von Fatih Akin

Die Musik zum Kinohit des Spätsommers

Wenn Fatih Akin (Gegen die Wand, Soul Kitchen) einen vielfach preisgekrönten Roman von Wolfgang Herrndorf verfilmt, stehen die Zeichen eindeutig auf Kassengold. Und für einen erfolgreichen Coming-of-Age-Film darf natürlich geile Musik nicht fehlen.

Fraktus, K.I.Z., Royal Blood, Seeed, Bilderbuch, Courtney Barnett - eigentlich scheint auch beim Soundtrack alles vom Feinsten. Leider fehlt, bis auf wenige Ausnahmen, der Mut. Im Falle von K.I.Z. entschied man sich für das bereits völlig zu Tode gespielte „Hurra diese Welt geht unter“ (zusammen mit Henning May), auch von Royal Blood, Bilderbuch oder Barnett gibts hier nur bereits bekannte Albumtracks.

Auch die Mischung verlangt reichlich Wohlwollen: auf Muttis Lieblings-Schnulze (Richard Clayderman) folgt Kirmes-Techno: Alex Christensen, zuletzt für Helene Fischers Weihnachts-Album mit dem ECHO belohnt, besinnt sich auf seine Wurzeln als „U96“ und lässt von Fraktus’ „Affe sucht Liebe“ nur wenig Gutes übrig.

Lichtblick ist die viel zu selten gehörte Perle „Genius Of Love“ des Talking Heads-Ablegers Tom Tom Club. Dank dieser „von allem Etwas“-Strategie kann man die Compilation jedoch nur unter Schmerzen als Ganzes hören.

Zugpferd des Soundtracks ist die Neu-Interpretation des Stereolab-Klassikers „French Disko“ durch die Beatsteaks. Tocotronic-Chef Dirk von Lowtzow -sorry- schnöselt allerdings auch noch den letzten Charme aus dem rotzigen Original, das in der deutschen Übersetzung (warum nur?) zudem unfreiwillig komisch wirkt. Schade.

Die Originalität dieses Soundtracks ist vergleichbar mit der Idee, einen Film über die 80er mit „99 Luftballons“ zu unterlegen. Das macht die versammelten Künstler und deren Songs natürlich nicht schlechter, es stellt sich nur die Frage, warum hier eine Chance so leichtfertig vergeben wurde. Ein Regisseur in der Größenordnung von Fatih Akin hat beste Kontakte zur Branche und hätte mit unveröffentlichtem Material der Künstler diesen Soundtrack leicht aufwerten können.

Löbliche Ausnahme ist der Score: vier Stücke des grandiosen britischen Komponisten Vince Pope (Misfits), die natürlich der Sache geschuldet eher kurz geraten sind und dennoch herausragen. Unterm Strich ein Sampler mit vielen hochkarätigen Künstlern - und ihren Hits von gestern. Als Kino-Untermalung sicherlich völlig ok, aber leider auch nicht mehr.

„Tschik“ startet am 15.9.2016 in den deutschen Kinos, der Soundtrack erscheint am 9.9.2016 über Warner Music.

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