Und wie war`s auf der Sonar?

Ein Rückblick mit Lücken

Wer von der Sonar berichten möchte, sollte besser mit einem fünfköpfigen Redaktionsteam in Barcelona aufkreuzen. Das "Festival for Advanced Music" ist inzwischen so groß, dass einem leicht der Überblick verloren gehen kann. Aber lohnt es sich denn nun oder nicht? Die Antwort lautet ganz eindeutig: Jein.

Wer sich alljährlich in der katalonischen Hauptstadt Barcelona die Klinke in die Hand gibt ist schon beachtlich. Fast alles was in der Welt der elektronischen Musik und darüber hinaus Rang und Namen hat, ist dabei wenn es heißt: wir fahren zur Sonar. Die ist zweigeteilt in die Sonar Dia und Sonar Noche. Tag und Nacht. Tagsüber trifft man sich im und um das Museum für moderne Kunst und lauscht experimentellen Klängen und außergewöhnlichen Bands. Wenn man denn eine Chance dazu hat.

Schon am ersten Tag wurden meine Pläne zumindest von unvorhersehbaren Menschenmassen durchkreuzt. Wer sich an Matthew Herberts "Plat du Jour" verköstigen wollte, musste bereits eine Stunde vorher im Keller des Museums rumsitzen. Und das bei 28 Grad und Sonne draußen. Besser bedient war, wer sich im Sonarvillage im Freien aufhielt und den versponnenen Klängen von Efterklang aus Dänemark lauschte. Zumindest solange man Lust hat, das im Stehen zu tun, denn im Vergleich zu den vergangenen Jahren gibt es keine Chance mehr sich im Liegen oder zumindest Sitzen die oftmals sehr ruhigen Acts beim Sonar Dia anzuschauen. Es ist einfach zu überfüllt. Entsprechend sparte ich mir die folgenden Tage komplett und konzentrierte mich also auf die Sonar Noche.

Die findet seit wenigen Jahren auf dem riesigen Messegelände von Barcelona statt. In zwei gigantischen Hallen und einem noch größeren Innenhof spielten die Superstars der elektronischen Musik, die locker mehrere Zehntausende Menschen auf die Fira Gran Via lockten. Neben den Chemical Brothers, 2Many DJs, Soulwax, LCD Soundsystem oder Martin L.Gore gab es reichlich Techno und vereinzelt sogar HipHop bis in die frühen Morgenstunden. Soweit so anstrengend.

Denn: wer Events dieser Größenordnung mag, ist eigentlich besser auf einem der unzähligen anderen Festivals in schönerer Umgebung aufgehoben. Man denke nur an das einheimische Melt! Aber auch weitere Festivals rund um die Küste des Mittelmeers wie zum Beispiel das FIB in Benicassim haben vergleichbare Line-Ups zu bieten, dafür aber mehr Charme.

Doch das Treiben auf dem Messegelände ist in Barcelona eigentlich nur noch ein Nebenschauplatz. Denn zur Sonar laden die meisten angereisten Labels ihre Freunde und Anhänger inzwischen lieber in einen der unzähligen Clubs von Barcelona ein, um im etwas intimeren Rahmen zu feiern. Von Kompakt bis Cocoon bespielten zahlreiche Labels und deren Künstler und DJs die meist angereisten Gäste, so dass man sich bei der ein oder anderen Veranstaltung eigentlich nach Köln, Frankfurt, München oder Berlin versetzt sah und lediglich durch ausgiebiges Klatschen und "Hossa"-Schreie gelegentlich daran erinnert wurde, dass man sich doch in Spanien befindet. Aber auch einige Strände sind Schauplätze für After-Hours der diversen Labels und Clubs. Doch um diese ausfindig zu machen, sollte man schon gut vernetzt sein, zumindest stehen diese meist spontanen Veranstaltungen in keinem offiziellen Eventkalender.

Fazit nach drei Tagen und Nächten Sonar: Wer elektronische Musik liebt und keine Angst vor Großveranstaltungen hat, für den könnte sich ein Festival-Ticket zum Preis für 105.- EUR lohnen. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache bei einem Festival unter spanischer Sonne ausgerechnet in einer unfreundlichen Messehalle zu feiern. Da haben andere Festivals schon ein besseres Ambiente zu bieten.

Wer einfach so zur Sonarzeit nach Barcelona reist, wird eine ungewöhnlich reichhaltige Auswahl an Nightlife-Events vorfinden, aber eben auch eine hoffnungslos überlaufene Stadt. Und ein Tagesticket für die Sonar Dia reicht vollkommen, wenn man sich einfach mal umschauen möchte. Zumindest bis dieses eigentlich lobenswerte Event entweder wieder intimer oder eben in eine größere (=Dia) bzw. schönere (=Noche) Location verlegt wird. (ur)

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.

amazon music unlimited

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
* Pflichtfeld

Ähnliche News

Übersicht: Die besten kostenlosen Festivals

Übersicht: Die besten kostenlosen Festivals

Kultur und Konzerte für lau
Festivals müssen nicht immer ein Loch in den Geldbeutel fressen. Im deutschsprachigen Raum gibt es auch viele kostenlose Feste, die den Sommer mit Musik und Kultur verschönern. Wir stellen euch die größten und besten davon vor.
Festivals: Alles Müll

Festivals: Alles Müll

Wer feiert, kann auch aufräumen
Festivals sind der Inbegriff von Toleranz und Freiheit. Sie entwickeln sich aber auch immer mehr zur auf ein Wochenende verdichteten Realsatire unserer Wegwerfgesellschaft.