Universal verklagt Bertelsmann

Napsters unendliche Geschichte wird in diesen Tagen um ein weiteres ungewöhnliches Kapitel bereichert. Napsters gescheiterter Retter Bertelsmann wird jetzt von Universal Music verklagt. Universals Vorwurf: Der Medienkonzern habe vom unerlaubten MP3-Tausch bei Napster profitieren wollen.

Erinnern wir uns: Napster war die erste MP3-Tauschbörse und schaffte es innerhalb weniger Monate, Millionen von Nutzer für sich zu interessieren. Die Plattenfirmen fanden das allerdings nicht sehr amüsant und verklagten Napster gemeinsam mit Musikverlegern und ihren Lobby-Verbänden. Im Oktober 2000 scherte Bertelsmann jedoch überraschend aus dieser Koalition der Unwilligen aus und sicherte Napster seine Zusammenarbeit zu. Dafür gab es nicht zuletzt eine Menge Geld vom Gütersloher Medienriesen. Insgesamt soll Bertelsmann rund 100 Millionen Dollar in Napster investiert haben.

Mit dem Geld sollte eigentlich der Umbau von der MP3-Tauschbörse zu einem legalen P2P-System finanziert werden. Tatsächlich ging jedoch das meiste dafür drauf, den Betrieb aufrecht zu erhalten, bis Napster im Juli 2001 den Stecker zog. Damit habe Bertelsmann wissentlich den illegalen Austausch von MP3s finanziert, argumentiert Universal jetzt. Die Plattenfirma fordert deshalb Schadensersatz von 150 000 Dollar pro unberechtigt ausgetauschtem Song - eine potentielle Milliardenforderung.

Die Klage kommt für Bertelsmann nicht ganz überraschend. Bereits im Februar hatten zwei Songwriter und Musikverleger mit einer ähnlichen Klage insgesamt rund 17 Milliarden Dollar von dem Medienriesen verlangt. Außerdem hatte Universal im April gemeinsam mit der EMI eine ähnliche Klage gegen einen weiteren Napster-Investor angestrengt. Angeblich sollen die EMI sowie die anderen zwei großen Plattenfirmen Sony und Warner Music jedoch nicht daran interessiert sein, die Klage gegen Bertelsmann zu unterstützen.

Unterdessen bastelt man bei Roxio unverdrossen an einem Napster-Relaunch. Der Hersteller von CD-Brennsoftware hatte die ehemalige Tauschbörse im November 2002 übernommen, nachdem Bertelsmann ein solcher Schritt von Wettbewerbswächtern untersagt worden war. Roxio will Napster bis zum Ende des Jahres wiederbeleben - zunächst jedoch nur als kostenpflichtigen Download-Service. (jr)

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