Update: Soulseek wieder online

Die Musik-Tauschbörse Soulseek war vorübergehend mehr als eine Woche offline. Grund dafür ist nicht etwa die RIAA, wie es anfangs hieß, sondern ein kleines Trance-Label. Der Server ist vor wenigen Stunden wieder online gegangen - ein Prozess ist dennoch nicht auszuschließen.

Soulseek gilt seit dem Ende von Audiogalaxy als Geheimtipp für Musikliebhaber mit Interessen abseits des Mainstreams. Doch mehr als eine Woche war das System offline. Anfangs machte das Gerücht die Runde, Soulseek sei von der Recording Industry Assication of America (RIAA) bedrängt worden, die bereits Napster und Audiogalaxy aus dem Geschäft geklagt hat. Doch die Meldung, die unter anderem auch von der deutschen IT-News-Website heise.de verbreitet wurde, war offenbar falsch.

Probleme mit Urhebern hat es dennoch gegeben. Zwar nicht mit der mächtigen RIAA, sondern mit einigen Musikern des kleinen Trance-Labels Twisted Records, allen voran einer Musikerin namens ?Sapphirecut?. Die beschwerte sich im Januar beim Soulseek-Betreiber Nir Arbel, dass ihre Tracks über die Tauschbörse verbreitet würden und forderte auf, dies sofort zu unterbinden. Arbel waren jedoch die Hände gebunden, da Such- und Index-Funktionen bei Soulseek komplett dezentral, also auf den Rechnern der Nutzer gehandhabt werden. Der Server dient lediglich Login- und Community-Funktionen.

Um der Musikerin dennoch entgegenzukommen, verbreitete Arbel die Meldung ?Tauscht bitte keine Sapphirecut-Tracks? an seine Nutzer. Die hielten sich offenbar aber nicht komplett daran. Daraufhin wandte sich Sapphirecut gemeinsam mit einigen Label-Kollegen an den Provider von Soulseek. Dieser reagierte fix und klemmte den Server einfach ab. Theoretisch hätte er Arbel eine Gelegenheit zur Stellungnahme geben müssen, doch dies wurde offenbar versäumt.

Arbel begab sich dann auf die Suche nach einem neuen Provider.
Doch damit hat Soulseek nicht alle seine Probleme gelöst. Sobald erneut Briefe beim Soulseek-Provider eintreffen, will Arbel diesmal entsprechend antworten und erklären, keine Kontrolle über die Handlungen seiner Nutzer zu haben. Danach könnte es theoretisch zu einem Prozess kommen. Wie dieser ausgehen wird, ist jedoch völlig unklar. Bisher waren Plattenfirmen vor Gericht nur gegen Tauschbörsen erfolgreich, die wie Napster einen zentralen Index aller getauschten Tracks besitzen. (jr)

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