Urheberrecht: Das Ende der Privatkopie?

Nach wie vor streiten sich Juristen, Politiker und Industrie über die neuen Rahmenbedingungen im digitalen Zeitalter. Rechtekontrolle für digitale Inhalte soll mit technischen Schutzmaßnahmen durchgesetzt werden. Das heißt für den Kunden in Zukunft: massive Einschränkungen und ein mögliches Ende des Rechts auf Vervielfältigung für den Privatgebrauch.

Seit Jahren kämpft die Gesetzgebung mit den Konsequenzen der digitalen Revolution, die ein völlig neues Denken erfordert. Nach dem großen Boom der Internet-Startups, die die neuen digitalen Möglichkeiten als Riesenchance gesehen haben, denen sie finanziell dann aber doch nicht gewachsen waren, sucht sich die alteingesessene Medienindustrie nun einen möglichst eleganten Weg das Netz zur Goldmine umzubauen. Dadurch müssen aber erstmal einige gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, die alle potenziell geschäftsschädigenden Anwendungen aus dem Netz verbannt.

Inhalte kosten Geld. Egal ob Musik, Texte oder Filme, immer steckt jemand dahinter, der von seiner Arbeit leben muss und Geld dafür verlangt. Da fast alle Geschäftsmodelle mit kostenlosen Inhalten im größeren Rahmen bislang gescheitert sind, suchen sich viele große Firmen im Netz mit kostenpflichtigen Angeboten durchzusetzen. Doch die können nur Akzeptanz finden, wenn man die kostenlosen Konkurrenten, darunter auch Privatpersonen, zukünftig möglichst ausschalten kann.

In erster Linie werden dafür technische Lösungen angestrebt, das vielzitierte Digital Rights Management, das einem Anbieter von Inhalten Kontrolle darüber überlässt, wie seine Inhalte genutzt werden dürfen und der somit auch die Privatkopie unterbinden kann. Microsofts WMA Format ist ein Beispiel für so ein Verschlüsselungssystem, was dem Anbieter größtmögliche Kontrolle über die Nutzung von Inhalten durch den Konsumenten geben soll.

Kühne Visionäre träumen schon lange vom Pay-Per-Stream Content, der es ermöglicht, dass man Musik, Filme oder andere digitale Inhalte gar nicht mehr "auf Lebenszeit" kauft, sondern Kleinstbeträge für jedes einzelne Mal zahlt, wenn man darauf online zugreifen möchte.
Zur lebenslangen Melkmaschine möchte man den Konsumenten umerziehen und ehrlich gesagt: der Musikgeschmack ändert sich im Laufe des Lebens doch sowieso mehrmals. Warum also nostalgisch alte Kamellen im Plattenschrank verstauben lassen, statt einfach immer nur per Klick das Allerneueste hören und zahlen. Eine Horrorvorstellung? Nein, das könnte schon bald Realität werden, denn der neue Gesetzentwurf sieht jeden Versuch die geschützten Dateien zu knacken, als gesetzeswidrig und strafbar an.

Überhaupt scheint die massive Lobbypolitik, auch die der Musikindustrie (wir berichteten), Früchte zu tragen und in der Gesetzesreform mehr Berücksichtigung zu finden, als die Rechte der Nutzer. Doch für weitreichende gesetzliche Regelungen will sich das Bundesjustizministerium nach eigenen Angaben ausreichend Zeit lassen, bis man allen Betroffenen gesprochen und alle Meinungen zum komplexen und hochbrisanten Thema gehört habe. Wir bleiben dran.
Einen sehr ausführlichen, empfehlenswerten Artikel zu diesem wichtigen Thema über die Zukunft im Netz findet sich bei Telepolis www.heise.de/tp. (ur)

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