US-Musikindustrie klagt weiter

Die US-Musikindustrievereinigung RIAA hat am Mittwoch bekannt gegeben, 477 weitere Tauschbörsen-Nutzer verklagt zu haben. Die Gesamtzahl der Klagen erhöht sich damit auf nahezu 2500. Neue Studien lassen jedoch Zweifel an der Strategie der Musikwirtschaft aufkommen.

Unter den Verklagten befinden sich auch 69 Universitätsstudenten. Die RIAA hat erst kürzlich damit begonnen, ihre Klagen auf Universitäten auszudehnen. Beweistechnisch ist es oft schwieriger, Nutzer innerhalb von Uni-Netzen haftbar zu machen. Doch die Industrie verfolgt mit ihren Klagen eine Doppelstrategie: Während der juristische Druck auf Studenten erhöht wird, offerieren Online-Musik-Anbieter Pakete, um die Campus-Netze mit legaler Musik zu versorgen.

Den Anfang machte im November 2003 Roxios Napster mit einem Exklusiv-Deal für die Penn State Universität. Diese Woche startete Musicnet zudem einen Download-Service an der Yale-Universität. Bis zum Herbst soll das Angebot auf 20 Universitäten ausgedehnt werden. RIAA-Sprecher Cary Sherman erklärte dazu am Mittwoch, man bemühe sich, weiterhin gut mit Universitäten zusammenzuarbeiten. "Aber es gibt weiterhin einen Bedarf für das Verfolgen besonders aktiver Täter ? um Menschen daran zu erinnern, dass dies illegal ist."

Ob die Studenten sich so leicht zum Nutzen legaler Angebote überreden lassen, darf bezweifelt werden. So ergab eine jetzt veröffentlichte Studie des Bentley Colleges, dass 89 Prozent aller Studenten weiterhin Musik aus Tauschbörsen herunterladen. Eine Studie des Pew Research Instituts ergab zudem, dass die Klagen insgesamt nur noch eine begrenzte Wirkung zeigen. So griffen im März und April diesen Jahres 23 Millionen US-Amerikaner auf Tauschbörsen zu. Im November und Dezember zuvor verzeichnete das Pew-Institut nur 18 Millionen P2P-Nutzer. (jr)

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