US-Plattenindustrie verklagt Tauschbörsen-Nutzer

Mit einer Großoffensive will die Vereinigung der US-Plattenindustrie RIAA Druck auf die Nutzer von Tauschbörsen ausüben. In einer Art Hexenjagd mit Spionageprogrammen hat man erstmals großangelegte Durchsuchungsaktionen übers Netz gestartet.

Dabei werden mit Hilfe von Scan-Programmen Anbieter von illegalen Musikdateien gesucht und angeblich über deren IP-Adressen identifiziert. Bereits innerhalb der nächsten Wochen sollen die so entdeckten Anbieter von urheberrechtlich geschütztem Material auf bis zu 130 000 Dollar pro Song (!) verklagt werden.
Kritiker wie die Vertreter der Electronic Frontier Foundation EFF bezeichnen dieses Vorgehen als "Kriegserklärung an die Verbraucher". EFF-Anwalt Fred von Lohmann fügt an, dass inzwischen mehr Menschen Tauschbörsen benutzten, als George Bush Wählerstimmen bekommen habe und weist darauf hin, dass die Musikbranche offenbar jeglichen Bezug zur Realität verloren habe.
Die Filmindustrie begrüßte die Aktion der RIAA, sagte aber gleichzeitig, keine vergleichbaren Aktionen zu planen. Man setze auf technische Lösungen zur Verhinderung der Raubkopie.
In Deutschland ist wegen der unterschiedlichen Rechtslage eine ähnliche Vorgehensweise vorläufig kaum denkbar. Doch auch das könnte sich bereits im Herbst mit der Reform des Urheberrechts drastisch ändern.
Es ist zu erwarten, dass die Musikindustrie weitere Big-Brother-Offensiven in Angriff nehmen wird, sobald die kostenpflichtigen Download-Shops online sind und (vergeblich?) auf zahlungswillige Kunden warten.
Ob die Taktik aufgeht, seinen Kunden mit massiven Drohungen zum Kauf zu bewegen, darf getrost bezweifelt werden.
Bereits jetzt arbeiten fortgeschrittene Hobby-Programmierer mit Programmen zum Schutz vor solchen Scannern, die wohl bald auch massenhafte Verbreitung im Internet finden dürften. Das Wettrüsten hat begonnen. (ur)

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Ähnliche News

Strafen: So viel kostet menschenverachtende Hetze im Internet

Strafen: So viel kostet menschenverachtende Hetze im Internet

Stiftung Warentest veröffentlicht Urteile
Der Ton im Netz wird immer schärfer. Angestachelt von Populisten und Extremisten, wagen sich immer mehr verbitterte Menschen aus der Deckung und lassen ihren ganzen Hass in Online-Kommentaren raus. Aber das kann sehr teuer werden.
Der Fall Böhmermann: eine rechtliche Einordnung des Erdogan Gedichts

Der Fall Böhmermann: eine rechtliche Einordnung des Erdogan Gedichts

Strafanzeige gegen Böhmermann: muss er in den Knast? Ein Anwalt antwortet
Jan Böhmermann hat ein Problem. Sein Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Erdogan verstößt möglicherweise gegen das Strafgesetzbuch, nach dem ein ausländisches Staatsoberhaupt nicht einfach so beleidigt werden darf. Eine rechtliche Einschätzung über die Konsequenzen für Böhmermann gibt Medienanwalt Marc-Oliver Srocke bei Spiegel Online.
Crashkurs Urheberrecht: Tipps zum abmahnsicheren Hochladen von Musik bei YouTube

Crashkurs Urheberrecht: Tipps zum abmahnsicheren Hochladen von Musik bei YouTube

Über den rechtlich sauberen Umgang mit Musik bei Youtube
Wer Musik ins Internet lädt, die er nicht selbst geschaffen oder lizenziert hat, riskiert eine Abmahnung. Und die kann teuer werden. YouTube wird von zahlreichen Anwaltskanzleien auf der Suche nach illegaler Musik durchforstet. Wie ihr sicher eure Videos mit Musik untermalen könnt, verraten wir euch hier.
BitTorrent Bundles: Musik über Filesharing verkaufen

BitTorrent Bundles: Musik über Filesharing verkaufen

Filesharing-Vertrieb bietet neue Freiheiten
Im letzten Jahr machte Thom Yorke mit einem außergewöhnlichen Vertriebsweg seines Soloalbums von sich reden: es war ausschließlich über den Filesharing Client BitTorrent erhältlich. Ab sofort steht dieser Vertriebsweg allen Musikern und Labels zur Verfügung. Wir zeigen, wie es geht.

Empfehlungen