In Utero: Brief von Steve Albini an Nirvana aufgetaucht

"Wer länger als eine Woche für eine Platte braucht, hat es verbockt"

Steve Albini war bereits vor seiner Produktion von Nirvanas letzter Platte "In Utero" eine Koryphäe im Punkrock. Jetzt ist ein dreiseitiger Brief von ihm an die Band aufgetaucht, der den gesamten Produktionsprozess beschreibt.

Nach ihrem fantastischen Durchbruch mit "Nevermind" konnten sich Nirvana aussuchen, mit wem sie arbeiten wollten. Steve Albini bot seine Hilfe für das schwierige dritte Album "zum Preis eines Klempners" an. Die Band solle einfach selbst entscheiden, wieviel seine Arbeit wert sei. Anders als üblich wolle er als Produzent keine prozentuale Anteile an den Songrechten, was am Ende etwa 400 000 Dollar gewesen wären. "Ich könnte nicht schlafen, wenn ich so viel Geld nehmen würde", schrieb Albini in seinem Brief.

Vermutlich dürfte er Kurt Cobain und seine Mitstreiter aber viel mehr mit seinen klaren Ideen zur Produktion überzeugt haben. Statt eine bombastisch teure Studioproduktion zu machen - was sich die Band hätte locker leisten können - schlug er vor, die Aufnahmen auf ein paar Tage zu beschränken und so viel wie möglich live einzuspielen. "Wer länger als eine Woche für eine Platte braucht, hat es verbockt", erklärt Albini seine Philosophie. Schließlich sollte die Band im Studio gut drauf sein und sich nicht durch endlose Sessions die Lust verlieren. Das höre man am Ende auch auf einer Platte.

Er wolle keinesfalls mit der Band arbeiten, weil es seinem Ruf nutze: "Ich habe schon mehr als genug Arbeit und diese Art von Oberflächlichkeit zieht nur Leute an, mit denen ich nicht arbeiten will." Weiterhin erklärt er einige Ideen zum Produktionsprozess und vergisst natürlich nicht, einige Bandnamen einfließen zu lassen, mit denen er schon gearbeitet hat (Fugazi, The Jesus Lizard). Kein Zweifel: Albini wollte die Band unbedingt produzieren.

Natürlich ist es kein Zufall, dass dieser Brief ausgerechnet zum Release der Jubiläums-Edition von "In Utero" auftaucht. Dennoch ist der Brief ein pophistorisches Fundstück und zeigt, wie ernst die Band, die Anfang der 90er eine musikalische Revolution in den Charts auslöste und Punkrock konsensfähig machte, ihre Musik nahm.

>> Hier könnt ihr den Brief in voller Länge lesen

>> Nirvana - "In Utero"

>> Nirvana: Erster Plattenvertrag aufgetaucht

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