Vergleich: Apple Music vs. Spotify

Welcher Streamingdienst ist besser?

Heute um 18 Uhr startet Apple sein neues Streamingangebot Apple Music. Das grundsätzliche Angebot wird sich von Spotify vermutlich nicht groß unterscheiden, dennoch werden sich viele Nutzer fragen: soll ich wechseln oder nicht? Hier die wichtigsten Unterschiede.

"Musik überall hören auf allen Geräten". So oder ähnlich lauten die Werbesprüche der Streaminganbieter. Das grundsätzliche Angebot von Spotify, Deezer, Rdio, Tidal, Napster, Google Play oder Apple Music unterscheidet sich kaum: gegen eine monatliche Gebühr kann man aus dem Vollen schöpfen und Musik hören so viel man möchte. 

Wie soll ein Nutzer also entscheiden, welcher Service für ihn der bessere ist? Ein paar Unterschiede, die den Ausschlag geben könnten, gibt es. 

Spotify App
Spotify App

Vorteil Spotify:

1. Marktführer

Spotify war der Wegbereiter des Streaming und hat Skandinaviens Musikbranche komplett umgekrempelt. Seit 2012 ist Spotify auch in Deutschland verfügbar und gilt somit als Vorreiter. Wer zufrieden ist bei Spotify wird wohl kaum einen Anlass sehen zu wechseln. 

2. Dezenter Marktauftritt

Während Tidal oder Apple Music jetzt schon lautstark mit exklusiven Releases großer Stars nerven, gibt sich Spotify vergleichsweise bescheiden. Soll doch jeder hören, was er will, scheint das Motto von Spotify derzeit zu sein. Ob sich das ändern wird, wenn die Streamingdienste um exklusive Rechte verhandeln, muss sich noch zeigen.

3. Kostenloser Account

Wer nicht viel Geld hat oder sich durch Werbung mitten im Stream nicht belästigt fühlt, kann bei Spotify auch völlig umsonst Musik hören. Zwar ist das vielen Labels ein Dorn im Auge, trotzdem möchte Spotify an seinem kostenlosen Account festhalten. Wer also ein anderes Abo abschließt kann trotzdem sein Spotify weiter nutzen. Apple Music startet heute mit einer dreimonatigen Testphase, danach muss man ein kostenpflichtiges Abo abschließen, wenn man weiter Musik streamen möchte.

4. Soundqualität

Wer bei Spotify streamt hat die freie Wahl, in welcher Soundqualität er hören möchte. Bis 320kbit/s ist möglich. Ob Apple Music das auch bietet ist derzeit noch unbekannt.

5. Unabhängig vom Betriebssystem

Spotify ist ein reiner Musikservice, der völlig unabhängig vom Endgerät funktioniert. Für Spotify steht das Geschäft mit seinen Abos im Vordergrund. Für Apple ist der Verkauf von Endgeräten mit Apple Betriebssystem finanziell viel lukrativer. Klarer Vorteil für Spotify.

Vorteil Apple Music

1. Vorinstallierte App

Apple hat via iTunes bereits ca. 885 Millionen Nutzer weltweit. Spotify ca. 75 Millionen. Heute wird Apple allen iTunes-Nutzern per iOS Update auf einen Schlag Zugang zu Apple Music verschaffen und ihnen ein Abo anbieten. Darüber hinaus kontrolliert Apple den Zugang zu seinem App Store - und könnte lästige Konkurrenten dadurch ganz nach Belieben behindern.

2. iTunes Kaufbutton

Während Spotify seine Kunden "in die Cloud" lockt und Musik letztlich nur noch vermietet, kann Apple durch die Integration seines iTunes Stores auch den Kauf anbieten. Das lohnt sich vor allem für Fans, die eine eigene Sammlung aufbauen möchten und nicht darauf vertrauen, dass sie für immer beim gleichen Anbieter Musik hören werden. Das ist besonders attraktiv für Leute, die bisher noch nicht streamen, weil sie die Kontrolle über ihre Musiksammlung nicht komplett abgeben möchten. Wir sind jedenfalls gespannt auf die Integration von iTunes und Apple Music.

3. Apple

Auch wenn Apple in letzter Zeit viel häufiger in der Kritk steht als noch zu Steve Jobs' Zeiten: nach wie vor hat die Marke mit dem angebissenen Apfel glühende Anhänger, die alles nutzen und kaufen, wo Apple drauf steht. Die nahtlose Integration in die Produktpalette dürfte viele Fans dann doch für ein Apple-Abo entscheiden lassen. 

4. Das Geld

Apple ist der mächtigste Konzern im Musikbusiness. Obwohl das Musikbusiness eigentlich nur ein Nebengeschäft ist. Während Spotify nach wie vor hohe Verluste schreibt, weiß Apple gar nicht mehr wohin mit seinem Geld. Und konnte sich für mehrere Milliarden die einflussreichsten Männer im Musikgeschäft an sich binden. Die Strategie "Ich scheiß dich zu mit meinem Geld" könnte also auch für Apple eine enorm wirksame Strategie sein, um Spotify das Leben schwer zu machen.

5. Die Starpower

Dr. Dre und Jimmy Iovine, die beiden Strippenzieher hinter den Kulissen von Apple, haben bereits U2, Eminem, Pharrell Williams, Drake, Elton John und viele andere Superstars an Bord geholt. Weitere werden folgen. Vermutlich bald auch auf nationaler Ebene.

Fazit:

Ob man zu Apple wechselt oder seinem alten Streamingdienst treu bleibt ist letztlich reine Geschmackssache. Das grundsätzliche Angebot unterscheidet sich kaum und auch bei der Preispolitik werden alle Anbieter nur wenig Spielraum haben, an der Schraube zu drehen.

Wir empfehlen: Vorsicht, wenn man plant eine Musiksammlung aufzubauen und sich nicht dauerhaft von einem einzigen Anbieter abhängig zu machen. Für echte Musikfans bleiben Tonträger und Download, die einem wirklich gehören und nicht nur geliehen sind, bis auf weiteres unersetzbar. Dafür erleichtern es die Streamingdienste, aus der vollen Palette Musik zu schöpfen und einfach mal irgendwo reinzuhören. Als "Radio ohne lästiges Gequatsche" haben Streamingdienste sowieso ihre großen Vorteile.

Wir werden Apple Music heute genau unter die Lupe nehmen und diesen Artikel in Kürze aktualisieren. Nennt uns eure Gründe für oder gegen einen Wechsel zu Apple Music als Kommentar.

Spotify, Deezer und Co: Streaminganbieter im Vergleich

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.

amazon music unlimited

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Ähnliche News

Twin Peaks Intro 2017 (Bild: Video / Youtube)

Twin Peaks: So könnt ihr die 3. Staffel in Deutschland sehen

David Lynchs Meisterwerk geht in die dritte Runde
Mehr als zwanzig Jahre mussten die Fans auf die Fortsetzung von "Twin Peaks" warten. Nach vielen Monaten gespickt mit Ankündigungen, Teasern und Trailern erscheint nun endlich die dritte Staffel. Wir zeigen euch wie ihr das Revival des Serien-Klassikers sehen könnt. 
SOMMERHITS 2017

Playlist: Die Tonspion Sommerhits 2017

Von Lana Del Rey bis Dua Lipa - Die Sommerhits 2017 der Tonspion Hörer
Wir fragten unsere Hörer kürzlich nach euren Sommerhits 2017. Die mit den meisten Nennungen (und unsere Favoriten) haben wir in eine Spotify-Playlist gepackt. Jetzt kann der Sommer endlich kommen!
Judith Holofernes: "Ich find' CDs ja selber voll scheiße”

Judith Holofernes: "Ich find' CDs ja selber voll scheiße”

Vinyl & Stream – das treibt uns alle an den Abgrund
Anfang der 2000er erklärte uns Judith Holofernes zusammen mit ihren Helden die Welt und das allgemeine Datingverhalten der Deutschen. Mittlerweile ist sie Solo unterwegs und hat uns im Interview erzählt, was im Musikbusiness falsch läuft.
Tonspion Release Radar Mixtape Spotify

Stream: Tonspion Release Radar auf Spotify

Die Neuerscheinungen der Woche in einer Playlist
Auch dem aufmerksamsten Musikliebhaber entgeht die ein oder andere hörenswerte Veröffentlichung. Dieses Dilemma lösen wir ab sofort mit dem wöchentlichen "Tonspion Release Radar" auf Spotify. Hier könnt ihr die Playlist abonnieren.
Wie funktioniert Spotify for Artists?

Wie funktioniert Spotify for Artists?

Wie Künstler und Labels das neue Spotify-Tool zur Analyse ihrer veröffentlichten Musik nutzen können
Von Usern geliebt, von Künstlern gelegentlich immer noch missverstanden und unterschätzt: Spotify ist das Flaggschiff aller Musik Streaming Dienste. Die gute Neuigkeit für Künstler, Management und Labels ist, dass es nun endlich, nach ca. 1,5 Jahren Testphase, offiziell “Spotify for Artists” gibt. Was das genau ist und was es kann, zeigt der Künstler-Manager Robert Helbig hier.

Aktuelles Album

G I R L

Pharrell Williams - G I R L

Pop-Perfektionist
Ist Pharrell Williams jetzt „Happy“? Mit seinem zweiten Soloalbum „Girl“ dürfte er 2014 in jedem Fall groß abräumen! Das liegt nicht nur am weltweiten Singlehit, sondern an den neun anderen Songs auf „Girl“.