Verleger über Internet-Manifest: Wer soll das bezahlen?

Manifest über Zukunft des Journalismus sorgt für Diskussionsstoff

17 netzaffine Journalisten und Blogger haben vor wenigen Tagen ein Manifest mit 17 "Behauptungen" über die Zukunft des Journalismus im Internetzeitalter vorgelegt. Sie ernten dabei nicht nur Zustimmung, stoßen aber eine überfällige Diskussion an.

Neben einigen Binsenweisheiten ("Das Internet ist anders", "Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet") werden einige wichtige Themen in die Diskussion gebracht. So etwa den freien unzensierten Austausch von Information oder die Bedeutung von Vernetzung als zentrales Prinzip des Mediums.

Die einzelnen Aussagen bleiben jedoch watteweich und ungefähr. Die Autoren, von denen die meisten ihr Honorar von großen traditionellen Medienhäusern überwiesen bekommen, sagen wenig bis nichts zu den negativen Tendenzen, die qualitative Medienangebote im Netz derzeit massiv gefährden. Dazu äußern sich nun auch Verleger einhellig kritisch.

Konstantin Neven DuMont (Neven DuMont Schaumberg) sagte der W&V: "Das Internet-Manifest lässt entscheidende Fragen offen: Wie wird Qualitätsjournalismus in Zukunft finanziert? Investigative Recherchen sind zeitintensiv und verursachen in der Regel Reisekosten. Gibt es in diesem Bereich Beispiele von angemessen entlohnten Redakteuren?"

An gleicher Stelle bewertet Christoph Keese (Axel Springer AG) das Manifest als wichtigen Diskussionsbeitrag, hätte sich aber mehr konkrete Vorschläge gewünscht:  "Für Freiheit und Modernität treten wir auch ein, allerdings meinen wir, dass Journalisten und Verlage von ihrer Arbeit auch leben können sollten."

Fakt ist, dass Internetmedien auch im Jahr 2009 nur einen Bruchteil der Umsätze traditioneller Medien erwirtschaften können und die Bezahlbarkeit von journalistischen Angeboten mit wenigen großen Ausnahmen derzeit grundsätzlich in Frage gestellt ist. Man kann von seinen Lesern im Internet kein Geld verlangen und Werbung wird dort von den großen Mediaagenturen weiterhin nicht nach qualitativen Gesichtspunkten geschaltet, sondern im Gießkannenprinzip nach rein quantitativen Aspekten. Wer mehr Reichweite hat, verdient mehr. Dabei hat häufig nicht  etwa das ambitionierte Medium die meisten Zugriffe, sondern das mit der effektivsten Suchmaschinen-Optimierung und den flachsten Promi-Themen.

Desweiteren fallen die Preise für Online-Werbung angesicht ins Kraut schießender Reichweiten der inhaltsfreien Social Networks momentan derart ins Bodenlose, so dass viele gut gemachte Magazine ihre redaktionelle Tätigkeit voraussichtlich schon sehr bald werden einstellen müssen. Und die Journalisten werden bei eben jenen Verlagshäusern und Konzernen anklopfen, bei denen die Autoren des Manifests (noch) ihre Brötchen verdienen.

Inhaltlich mögen viele der Behauptungen also berechtigt und ein Statement gegen die Internetfeindlichkeit mancher Medienhäuser sein. Doch sie zeigen auch eine erstaunliche Naivität gegenüber der realen wirtschaftlichen Situation auf dem Online-Markt, von der die Autoren offenbar wenig Ahnung haben. Journalismus ist kein Hobby, was man mal eben nebenbei leisten kann. Das weiß keiner so gut, wie die Journalisten selbst. Wie qualitative Netzangebote zukünftig aber finanziert werden sollen, ist eine Kernfrage, an der man heute nicht mehr vorbei kommt, wenn man von den tollen neuen Möglichkeiten spricht, die das Medium bietet.

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