Verwirrung 2.0

Nach dem Hype kommen die Klagen

Im Kampf um die Netzvorherrschaft treiben die Medienkonzerne und die Musikindustrie seltsame Blüten. Einige Monate nachdem sich Rupert Murdoch, ein doch politisch fragwürdiger Medientycoon die Community-Website Myspace unter den Nagel gerissen hat, kaufte Google die Video-Plattform YouTube um insgesamt 1,65 Milliarden Dollar. Unmittelbar nach Abschluss des Deals, hagelte es schon die ersten Urheberrechtsklagen gegen Google-Youtube.

Zeitgleich arbeiten ein andere Medienkonzerne an Plattformen, die den oben genannten Social-Networking Plattformen um nichts nachstehen sollen. ?Was ist denn hier los??, fragen sich eingefleischte User der ersten Stunde angesichts der neuen Entwicklungen im Web 2.0

Noch in der vorigen Woche gab Doug Morris, Chief Executive der Universal Muisc Group in einem Interview mit wired.com zu Bedenken, dass ?diese neue Art des Business (Anm. d. R.: gemeint sind Web 2.0 Angebote wie Myspace und YouTube, bei denen in erster Linie die Nutzer selbst die Inhalte bereitstellen) Rechte-verletzend wäre und die Unternehmen uns Millionen von Dollars schulden?. Dies erinnert an die glorreiche Ära von Napster, als der Erfolg eines Geschäftsmodells, das ursprünglich gar keines war, die gesamte Musikindustrie ins Wanken brachte: auch hier wurden Klagsdrohungen ausgesprochen, die dann auch in die Tat umgesetzt wurden. Der wirkliche Unterschied zu damals ist heute, dass jetzt nicht die User verklagt werden, sondern direkt die Medienkonzerne. Jedoch wird es wohl oder übel wieder am User hängen bleiben, seien es neue Restriktionsverfahren, die zur Anwendung kommen oder es werden wie im Falle von YouTube bereits geschehen, Inhalte vom Netz genommen, die nicht rechtskonform behandelt wurden. YouTube hat inzwischen rund 30 000 Dateien gelöscht, darunter TV-Shows, Musikvideos und Filme.

Gerichtsverfahren, geschweige denn Verurteilungen gegen die Medienindustrie wird es in der nächsten Zeit wohl nicht geben, da sich Medien- und Musikindustrie wie schon in früheren Zeiten aus Gründen der gegenseitigen Abhängigkeit in Kompromissen ergehen werden. Wohl auch die zweite Welle der Myspace-Klone wird in gar nicht allzu langer Zeit auf uns hereinbrechen: diesmal aber nicht von Freund für Freund gemacht, sondern von Medienindustrie für potentiellen Käufer bzw. Kundendaten. (pb)

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