Verwirrung um Downloadportal der Industrie

Zwar verkündet die Musikbranche seit Wochen, sich auf eine gemeinsame Downloadplattform verständigt zu haben, mit der man den kostenlosen Tauschbörsen entgegentreten will, doch anscheinend ist noch gar nichts klar. Die beteiligten Plattenkonzerne verfolgen nämlich nach wie vor höchst unterschiedliche Interessen.

Die Plattenindustrie ist ja bekanntermaßen sehr verkündungsfreudig. So spricht man seit Wochen über die erste firmenübergreifende Downloadplattform unter dem Dach des Bundesverbands der Phongraphischen Wirtschaft. Dort soll es dann kostenpflichtige Songs aller Major-Firmen zum Download geben. Von den Hunderten Independent-Labels war zunächst gar nicht die Rede. Jetzt bekräftigte Bundesverbandssprecher Spiesecke nach Angaben von musikwoche.de aber, dass die Downloadplattform allen Labels offen stehen solle und jeder selbst entscheide, ob und welche Songs er zum Download anbieten möchte. Nur auf ein Startdatum wollte er sich nicht festlegen.

Man munkelt, bereits im Sommer online gehen zu wollen, obwohl viele ganz grundlegende Kriterien für so ein Angebot noch nicht ansatzweise ausgearbeitet sind. So behauptet Universal ganz stolz, dass das Downloadportal auf deren eigenem Angebot popfile.de aufsetzen werde. "Pustekuchen" tönt es dagegen aus dem Hause BMG, deren Sprecherin Regine Hoffmann kategorisch ausschließt, dass man sich an popfile.de beteiligen werde.

Das zieht dann auch die Frage nach sich, die intern für einigen Wirbel sorgen dürfte: während Universal mit Popfile.de ein eigens entwickeltes, proprietäres kopiergeschütztes MP3 Format einsetzt, das mit einer speziellen Software sowohl das Brennen auf CD, als auch das Überspielen auf MP3 Player erlauben soll, bevorzugen andere Firmen noch das WMA-Format von Microsoft, mit dem beliebige Beschränkungen und Lizenzen vergeben werden können, um dem Nutzer das Vervielfältigen von Musik nicht allzu leicht zu machen. Unterschiedliche Lizenzen für die Angebote der diversen Firmen dürften aber wiederum Verwirrung und Ärger bei den potenziellen Kunden auslösen.

Diese Diskussion um die Nutzung der Downloads und eine einheitliche Regelung dürfte also noch einige Zeit dauern, denn innerhalb der Branche liegen die Ansichten der "alten Hasen" und der "jungen Wilden", die inzwischen vereinzelt offensiv nach vorne preschen, nach wie vor weit auseinander.

Und die alles entscheidende Frage, ob Nutzer und Musikfans auf so ein Angebot überhaupt warten, solange es noch zahlreiche kostenlose Alternativen gibt, scheint auch nach wie vor kaum einer zu stellen. (ur)
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