Von FairTrade zu FairMusic

Initiative fordert mehr Gerechtigkeit im Musikbusiness

Das FairTrade-Label steht für faire Entlohnung von Lebensmittelproduzenten in Entwicklungsländern. Eine Initiative aus Österreich möchte das Prinzip des fairen Umgangs mit Produzenten nun auch auf kulturelle Produkte - also auch Musik - übertragen.

Erst kürzlich gaben Radiohead in einem Interview bekannt, dass sie von den Online-Umsätzen ihrer ersten Alben von ihrer Plattenfirmen keinerlei Anteil erhalten. Es ist kein Geheimnis, dass seit Beginn des musikindustriellen Zeitalters Musiker und Produzenten regelmäßig über den Tisch gezogen werden. Der Grund ist einfach: Während Künstler meistens miserable Geschäftsleute sind, sind die Vertreter der Musikindustrie Business-Profis, die knallharte Geschäftsziele zu erfüllen haben. Wie der Streik der US-Drehbuchschreiber derzeit zeigt, gibt es derzeit noch kaum gerechte Entlohnungsmodelle für die Nutzung von Werken im Internet oder auf anderen neuen Medienkanälen.

Hier will die Initiative FairMusic etwas in Bewegung bringen und ein FairMusic-Label entwickeln. Dieses Label soll vor allem Künstlern zugute kommen, die ihre Musik selbst - und damit fair - vertreiben. Aber auch Künstler mit Verträgen bei großen Firmen sollen unterstützt werden. Die FairMusic Initiative will sich mit allen Interessensgruppen, also Produzenten, Verwertern und Konsumenten an einen Tisch setzen und international anerkannte Standards entwickeln.

Sicher keine leichte Aufgabe, aber ein längst überfälliger Schritt, um auch die Stimme derer zu Gehör zu bringen, die sich nicht den ganzen Tag um rechtliche und vertragliche Dinge kümmern können und wollen, weil sie viel besser Musik machen können.

Ein erstes Manifest steckt folgende Ziele ab:

1. Unbeschränkte künstlerische Freiheit in der Musik

2. Freier Zugang zu musikalischem Ausdruck

3. Festlegung (Urheber)vertragsrechtlicher Mindeststandards

4. Adäquater Gebrauch von Technologie zur fairen Verteilung von Tantiemen.

5. Fairness und Gerechtigkeit im Musikbusiness muss ein Schlüsselmoment kultureller Vielfalt sein

6. Volle Anerkennung des kulturellen Charakters musikalischer Produkte, anstatt sie auf rein ökonomische Eigenschaften zu reduzieren.

7. Fairness und Gerechtigkeit in Musikbusiness müssen Normalität werden, nicht die Ausnahme bleiben.

Weitere Informationen zur Initiative gibt es auf der fair music Homepage und in einem Interview mit dem Initiator Peter Rantasa in der De:Bug. Die Initiative bittet um Unterstützung. Die wird sie brauchen. Das und einen sehr langem Atem. Wir werden weiterhin darüber berichten.

Udo Raaf / Tonspion.de

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.

amazon music unlimited

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Ähnliche News

Judith Holofernes: "Ich find' CDs ja selber voll scheiße”

Judith Holofernes: "Ich find' CDs ja selber voll scheiße”

Vinyl & Stream – das treibt uns alle an den Abgrund
Anfang der 2000er erklärte uns Judith Holofernes zusammen mit ihren Helden die Welt und das allgemeine Datingverhalten der Deutschen. Mittlerweile ist sie Solo unterwegs und hat uns im Interview erzählt, was im Musikbusiness falsch läuft.
Radiohead - OKNOTOK (Artwork)

Radiohead kündigen Jubiläums-Edition von „OK Computer“ an

No Surprises? Ganz im Gegenteil
Nachdem mysteriöse Plakatwände und ein kurzes Teaser-Video bereits erste Hinweise gestreut haben, ist es nun offiziell: Zum 20. Jubiläum von „OK Computer“ veröffentlichen Radiohead eine Neuauflage ihres legendären dritten Albums.
Wie funktioniert Spotify for Artists?

Wie funktioniert Spotify for Artists?

Wie Künstler und Labels das neue Spotify-Tool zur Analyse ihrer veröffentlichten Musik nutzen können
Von Usern geliebt, von Künstlern gelegentlich immer noch missverstanden und unterschätzt: Spotify ist das Flaggschiff aller Musik Streaming Dienste. Die gute Neuigkeit für Künstler, Management und Labels ist, dass es nun endlich, nach ca. 1,5 Jahren Testphase, offiziell “Spotify for Artists” gibt. Was das genau ist und was es kann, zeigt der Künstler-Manager Robert Helbig hier.
Jahresrückblick 2016: Udo Raaf

Jahresrückblick 2016: Udo Raaf

Die besten Alben, Songs und Videos des Jahres
Auch wenn es angesichts der Nachrichtenlage so scheinen mag: auch 2016 war nicht alles schlecht. Gerade in Krisenjahren bekommt Musik wieder einen besonderen Stellenwert als gesellschaftlich-kulturelles Ventil. Kein Zweifel: Würden alle Menschen Musik hören, es gäbe wesentlich weniger Hass und Terrorismus auf der Welt. Habt euch lieb. Und hört mehr Musik!

Aktuelles Album

OK Computer

Radiohead - OK Computer

20 Jahre OK Computer
"OK Computer" hat sich 20 Jahre nach Erscheinen nicht nur als Radioheads bestes Album, sondern auch als eines der besten Alben der jüngeren Rockgeschichte etabliert.