Warum "exklusive" Streams nicht funktionieren werden

Der Kampf der Streamingdienste auf Kosten der Nutzer und der Musik

Was sich mit Jay-Zs Tidal lautstark angekündigt hat wird nun durch Apple Music und Spotify immer mehr zur Realität: exklusive Streams, die es nur beim ein oder anderen Service gibt und für die man sich als Nutzer registrieren muss. Warum wir im Tonspion solche "Exclusives" künftig nicht mehr vostellen werden.

Durch Spotify und andere Streaminganbieter hatte man erstmals Zugang zu einem Plattenladen bis dato ungeahnten Ausmaßes, jederzeit, unbegrenzt, sogar offline "to go". Das einzige, was man mit einem Streamingabo nicht kann, ist, seine Musik dauerhaft archivieren. Sie gehört dem Musikfan nicht, sie ist nur geliehen. Wechselt man den Anbieter, ist die Musiksammlung futsch. 

Dem Erfolg von Spotify hat das keinen Abbruch getan. In Skandinavien streamt man inzwischen nur noch. Denn die meisten Hörer sammeln Musik nicht. Sie spielen ein paar Playlisten, sie hören ein paar aktuelle Charthits oder Musik ihrer aktuellen Lieblingsbands. Das war's. Für die durchschnittlichen Musikhörer ist es völlig ausreichend, was die Streamingdienste zu bieten haben. Wenn was fehlt ist das auch nicht weiter dramatisch, man kann schließlich noch Millionen weitere Tracks finden. 

Das neue Album von Dr. Dre gibt's nur für Apple User (Foto: Universal Music)

Für echte Musikfans hingegen ist es schon schmerzlich, wenn gewisse Musik fehlt oder unvollständig ist. Wenn es das neue Album von Dr. Dre zwar bei Apple Music, aber nicht bei Spotify gibt. Und neue Musik von Jay-Z oder Ehefrau Beyoncé nur noch bei Tidal. Dafür bräuchte man dann schon drei Streamingdienste, die alle im Grunde dasselbe bieten und sich nur in kleinen Details unterscheiden. Den exklusiven Streams. 

Wenn wir im Tonspion nun ein neues Album vorstellen, das es entweder nur hier oder nur dort gibt, lassen wir einen Großteil unserer Nutzer außen vor und stoßen sie damit vor den Kopf. Sie können es nicht hören und sie werden wohl kaum wegen eines Songs oder eines Albums einen neuen Dienst abonnieren, der 10 Euro im Monat kostet. Vermutlich nicht mal geschenkt!

Eine aktuelle Umfrage von Tonspion hat ergeben, dass ca. 45% unserer User bereits Spotify nutzen, 8% aktuell das kostenlose Testangebot von Apple Music ausprobieren, 35% aber überhaupt gar nicht streamen und auch gar nicht daran denken. Weil sie Vinyl-Platten sammeln oder generell geliehene Musik so attraktiv finden, wie geliehene Bücher aus der Stadtbücherei: es ist einfach nicht dasselbe.

Für uns stellt sich also die Frage, ob wir mitmachen in dem ganzen "exclusive" Hype, den die Plattenfirmen so liebend gerne veranstalten. Und der in den meisten Fällen einfach nur kontraproduktiv ist. Weil man mit "exklusiv" immer auch sagt: "Ätsch, Ihr müsst draußen bleiben". Aber warum sollte man Musik überhaupt irgendjemandem vorenthalten wollen?

Unsere klare Entscheidung heißt, dass wir da nicht mitmachen müssen. Früher gab es im Tonspion nur kostenlose Downloads, weil die Leute nicht ständig online waren und so entspannt in neue Musik reinhören konnten. Heute gibt es bei uns verstärkt Streams zu hören, weil es gerade zum Kennenlernen von neuer Musik erstmal darum geht, schnell und einfach auf "Play" klicken zu können und sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Wenn aber selbst das nicht mehr gewährleistet ist, weil man vor dem "Play" erst noch ein Registrierungsformular mit persönlichen Daten ausfüllen und Stück Software runterladen und installieren muss, dann ist der Spaß vorbei.

Insofern werden wir künftig auch ein Stückchen mehr exklusiv: strictly "non-exclusives"!

Spotify: Bald "Premium" Content nur für zahlende Nutzer?

 

Udo Raaf ist Gründer des ersten deutschen Musikblogs Tonspion und Geschäftsführer von ContentConsultants und berät seit 2001 Firmen zum Thema Online Marketing und SEO in Berlin.

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