Was ist Tidal? Der neue Streamingservice im Überblick

Jay Z und andere Stars planen exlusive Releases

Jay Z hatte vor wenigen Wochen den norwegischen Streamingdienst Wimp übernommen und stellt nun sein Konzept vor. Das besteht hauptsächlich aus großen Namen. Hier die Fakten im Überblick

1. Was ist Tidal Hifi?

Tidal basiert auf dem Streamingservice Wimp und bietet weiterhin zwei Abomodelle: Premium für 10 Euro/Monat (bis 320kbit/s MP3) und "Hifi" für 20 Euro/Monat für Lossless Streaming. Außerdem gibt es unbegrenzt Musikvideos zu sehen.

2. Wer steckt hinter Tidal Hifi?

Jay Z kaufte Wimp für 54 Millionen Dollar und bot anderen Künstlern eine Beteiligung an. Zu den ersten Unterzeichnern gehören: Alicia Keys, Win Butler & Régine Chassagne, Beyoncé, Calvin Harris, Chris Martin, Daft Punk, Jack White, Jason Aldean, J. Cole, Jay Z, Kanye West, Deadmau5, Madonna, Nicki Minaj, Rihanna, Usher. Jeder dieser Künstler erhält einen Anteil von 3 Prozent am Unternehmen. Wer sonst noch beteiligt ist, ist bisher unklar.

3. Was ist das Besondere an Tidal?

Auf Tidal sind exklusive Streams von Konzerten und Releases geplant. Tidal unterscheidet sich von anderen Diensten also nicht technisch, sondern inhaltlich. Mit seinem Staraufgebot könnte Jay Z sicher stellen, dass die Künstler künftig die Konditionen diktieren, nicht die Plattenfirmen. Die beteiligten Künstler erreichen alleine über Facebook 400 Millionen Fans.

4. Was ist das Ziel von Tidal?

Tidal will nach Aussage von Jay Z den Dialog über faire und transparente Kompensation von Künstlern, Komponisten und Musikern im Streamingzeitalter eröffnen. "Musik wird nicht mehr respektiert und entwertet. Wenn Leute 6 Dollar für eine Flasche Wasser bezahlen, obwohl es gutes Leitungswasser für umsonst gibt, aber keiner für Musik bezahlen will, dann läuft etwas falsch", sagte Jay Z in einem Interview mit Billboard. Letztlich soll es künftig kein kostenlosen Abos mehr geben, die Künstler und Kreative nicht fair entlohnen.

5. Wann startet Tidal in Deutschland?

Tidal ist ab sofort in zahlreichen Ländern weltweit verfügbar, darunter Österreich, Schweiz und Luxemburg. Nutzer in Deutschland müssen sich noch bis zum Ende des zweiten Quartals gedulden. Wimp-Abonnenten werden automatisch zu Tidal-Nutzern, aber aktuell ist es in Deutschland noch nicht möglich, ein Tidal-Abo abzuschließen.

6. Was bedeutet Tidal für Spotify oder andere Streamingdienste?

Jay Z betonte gegenüber Billboard, dass Tidal nicht als Konkurrenz zu Spotify gedacht ist, aber die Konditionen aller Streamingdienste durch Tidal nachhaltig verbessert werden sollen. Das heißt wohl auch, dass es künftig Musik von Tidal-Künstlern nicht mehr im kostenlosen, werbefinanzierten Abo geben wird. "Wenn Aloe Blacc und seine Schreiber nicht mal 4000 Dollar für 168 Millionen Streams bekommen, wo ist das Geld hin? (...) Wir möchten niemanden zu etwas zwingen, aber wir werden künftig unsere Ideen einbringen, damit mehr Geld bei den Kreativen ankommt."

7. Wie will Tidal unbekannteren Künstlern helfen, die keine Beteiligung bekommen?

Diese Frage blieb völlig offen. Wesentliche Details über Tidal wurden auch bei der Präsentation nicht erwähnt, Fragen nach dem genauen Verteilungsschlüssel blieben unbeantwortet. Deshalb regt sich im Netz bereits heftiger Widerstand gegen die Art und Weise der Markteinführung. Momentan sieht es tatsächlich so aus, als versuchten ein paar reiche Superstars noch mehr Geld zu verdienen durch ihre direkte Beteiligung an einem Streamingdienst. Diejenigen, für die es absolut lebensnotwendig wäre, ein neues Geschäftsmodell für Musik zu erarbeiten, waren zum Launch-Event nicht geladen: die Millionen Musiker weltweit, die fürs Streaming nur noch ein paar Cent bekommen, weil der Großteil der Einnahmen direkt an die populären, internationalen Superstars ausgeschüttet wird - ganz egal ob man ihre Musik hört oder nicht. Für sie, genauso wie für alle, die für die Musikbranche arbeiten, dürfte sich das Problem sinkender Einnahmen in den nächsten Monaten und Jahren noch verschärfen, wenn sich die Geschäftsmodelle nicht radikal ändern.

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