Was macht eigentlich... MP3.com?

Zurück in die Zukunft mit dem ehemaligen MP3-Giganten
Ende der 90er-Jahre machte MP3.com das MP3 Format weltweit populär. Tausende von Bands und Musikern aus der ganzen Welt veröffentlichten ihre Musik beim US-Anbieter. Nach einigen Turbulenzen und neuen Geschäftsmodellen kehrt MP3.com nun wieder zurück zu den Wurzeln und öffnet seine Server für Musik aller Art.

Zu der Zeit, als im Tonspion Ende der 90er Jahre die ersten paar MP3-Reviews zu lesen waren, gab es noch nicht besonders viele hörenswerte MP3-Dateien im Netz zu entdecken. So war MP3.com auch für uns zunächst die erste Anlaufstelle auf der Suche nach empfehlenswerten Downloads.

Spätestens als die Labels und deren Künstler ebenfalls anfingen mit MP3 Downloads auf neue Platten aufmerksam zu machen und später sogar komplette Alben zu verkaufen, wurde der musikalische Gemischtwarenladen auf MP3.com zunehmend uninteressant. Auch als Geschäftsmodell taugten kostenlose Downloads von Amateurbands nicht wirklich, so dass sich MP3.com mehr und mehr ins richtige Musikbusiness vortraute und Streams von Alben ermöglichte.

Gegen die vermeintliche Konkurrenz aus dem Internet ging die Musikindustrie damals allerdings noch mit aller Härte vor und schaffte es, auch MP3.com über diverse Gerichtsprozesse zur Aufgabe und zum Verkauf zu zwingen. Der neue Eigentümer CNET wusste offenbar lange Zeit nicht so recht, was mit dem gefallenen Star zu tun sei. Jedenfalls hat man von MP3.com lange Zeit nichts mehr gehört. Und mit MP3 hatte die Seite zwischenzeitlich merkwürdigerweise gar nichts mehr zu tun.

Im Zeichen des Erfolgs von Anbietern wie MySpace öffnet man nun also die Server wieder für Musik von Newcomer-Bands und versucht, diesmal auch die Plattenfirmen vom neuen alten Konzept zu überzeugen. Natürlich gibt es in der neuen Version auch alle Features, die man von den anderen Anbietern kennt: auch Fans können sich mit eigenem Profil registrieren und untereinander Musik austauschen oder Blogs betreiben. Schließlich soll die Seite - wie in der schönen neuen Welt des Web 2.0 so üblich - möglichst komplett von den Nutzern gestaltet werden.

Ob der Neustart gerade richtig oder bereits Lichtjahre zu spät kommt, nachdem die Kids bereits in Scharen von MySpace zu technisch ausgereifteren neuen Anbietern abwandern, wird sich zeigen. Bands die einfach nur kostenlosen Speicherplatz mit 100 GB für ihre Musik suchen, finden nun in MP3.com endlich wieder einen weltweit agierenden, alternativen Anbieter zu MySpace. (ur)

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