Wen kümmert schon Spionage?

Sonys Kopierschutz-Rootkit telefoniert weiter fleißig nach Hause
Die umstrittene Kopierschutz-Software von Sony ist inzwischen auf mindestens 20 Produkten des Hauses im Einsatz. Auf die mittlerweile zahlreich eingegangenen Klagen reagiert die Konzernleitung mit Trotz. Von Schuldbewusstsein hingegen fehlt jede Spur.

Nicht nur beim Abspielen der CD "Get Right With The Man" der US-Country-Rocker Van Zant ? Tonspion berichtete - wird die Spionage-Software auf dem PC installiert. In einem Interview bestätigte Thomas Hesse, Präsident Global Digital Business bei Sony BMG, jetzt, dass die kontroverse Kopierschutztechnologie bei insgesamt mindestens 20 CDs zum Einsatz kommt.

Davon betroffen sind nach Angaben von EFF.org die US-Ausgaben folgender CDs:

Trey Anastasio, Shine (Columbia)
Celine Dion, On ne Change Pas (Epic)
Neil Diamond, 12 Songs (Columbia)
Our Lady Peace, Healthy in Paranoid Times (Columbia)
Chris Botti, To Love Again (Columbia)
Van Zant, Get Right with the Man (Columbia)
Switchfoot, Nothing is Sound (Columbia)
The Coral, The Invisible Invasion (Columbia)
Acceptance, Phantoms (Columbia)
Susie Suh, Susie Suh (Epic)
Amerie, Touch (Columbia)
Life of Agony, Broken Valley (Epic)
Horace Silver Quintet, Silver`s Blue (Epic Legacy)
Gerry Mulligan, Jeru (Columbia Legacy)
Dexter Gordon, Manhattan Symphonie (Columbia Legacy)
The Bad Plus, Suspicious Activity (Columbia)
The Dead 60s, The Dead 60s (Epic)
Dion, The Essential Dion (Columbia Legacy)
Natasha Bedingfield, Unwritten (Epic)
Ricky Martin, Life (Columbia)

Bei jedem Abspielen nimmt die auf den CDs enthaltene Software Kontakt mit einem Sony-Server auf und überträgt Informationen über Album-ID, IP-Adresse und Uhrzeit. Das Erstellen von aufschlussreichen Nutzer-Profilen wird so zur Kleinigkeit, der gläserne Mensch, über dessen Freizeitverhalten bei Sony-BMG eigene Files angelegt werden, ist nicht mehr fern.

Nach massiven Protesten ? unter anderem klagte die italienische Bürgerrechtsbewegung ALCEI ? lenkte SonyBMG nunmehr zwar ein, indem man Möglichkeit bot, die Software vom Computer zu entfernen. Die Software wird allerdings nicht zum direkten Download angeboten, sondern muss umständlich per Mail angefordert werden. Von Schuldbewusstsein indessen fehlt beim Multi jede Spur.

Angeblich, so Hesse, würde das Rookit auch nicht zum Sammeln von Userdaten missbraucht, es werde lediglich von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, das Brennen von MP3s einzuschränken. Wer´s glaubt? Damit aber nicht genug. In besagtem Interview gab Hesse noch tiefere Einblicke in die Unternehmenspolitik von SonyBMG. Wörtlich meinte er ?Ich glaube die meisten Menschen wissen gar nicht, was ein Rootkit ist, warum sollen sie sich also darum kümmern??. Na dann. (md)

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