Wenn Tauschbörsen legal werden

KaZaa und Pirate Bay sollen zu legalen Musikangeboten umgebaut werden

Sie kommen alle zurück. Wie schon Napster vor einigen Jahren sollen nun auch die Tauschbörsen KaZaa und Pirate Bay wieder auf den Markt kommen. Diesmal aber mit einem tragfähigen Geschäftsmodell und legal.

KaZaa war nach dem Aus der Tauschbörse Napster zunächst der große Gewinner unter den Tauschbörsen. Doch 2006 musste man eine Schlappe gegen den Verband der US-Musikindustrie (RIAA) hinnehmen und urheberrechtlich geschütztes Material sperren sowie eine hohe Vergleichssumme zahlen. Zeitgleich wanderten die Massen der gut informierten Tauschbörsen-Nutzer weiter zu neuen Anbietern wie Pirate Bay, die auf das BitTorrent-Protokoll setzen. Die Betreiber von KaZaa haben zwar nie aufgegeben, suchen nun aber ihr Glück indem sie das Napster-Modell nachahmen. Bei Napster kann man auf kopiergeschützte Downloads für eine monatliche Grundgebühr zugreifen. Diese Files sind aber nicht auf iPods übertragbar und verfallen, sobald man das Abo kündigt. Ein ähnliches Modell will nun auch KaZaa auf den Markt bringen. Mit einer Tauschbörse als Quelle unendlicher digitaler Schätze, die man sich kostenlos und in allen beliebigen Formanten auf die Festplatte ziehen kann hat das nur wenig zu tun und dürfte deshalb wohl auch zum Scheitern verurteilt sein. Warum sollten Nutzer plötzlich mit etwas schlechterem zufrieden sein, was auch noch Geld kostet?

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Auch Pirate Bay soll möglicherweise legal werden. Die kürzlich zu 2,7 Millionen Euro und einem Jahr Haft verurteilten schwedischen Betreiber sollen erwägen die Marke für 5,5 Millionen Euro an einen Software-Firma Global Gaming Fatory (GGF) zu verkaufen, um ihre Strafe bezahlen zu können. Diese Firma möchte dann ein legales Geschäftsmodell präsentieren, das auch die Interessen der Unterhaltungsindustrie berücksichtigen soll. Die Vorteile der BitTorrent-Technologie liegen auf der Hand: nur 3000 Dollar pro Monat kostet deren Betrieb nach Angaben eines Insiders. Zum Vergleich: bei YouTube rechnet man mit fast 1 Million Dollar für die täglichen Serverkosten. Doch BitTorrent verbindet die Rechner aller Nutzer und kann so die Datenströme gerecht auf alle verteilen. Für 3000 Dollar Betriebskosten steht dort also das Gesamtwerk an Musik, Videos und Filmen zum Download bereit. Zumindest, wenn man die diversen Haftstrafen und Vergleiche nicht mitrechnet, die die Betreiber zu zahlen haben. Dennoch wäre es fahrlässig, eine derart effiziente Technologie einfach zu verteufeln, statt über Wege nachzudenken, diese auf legalen Boden zu stellen.

Doch ein wirklich überzeugendes Modell konnte bisher noch niemand vorlegen. Die von vielen immer wieder ins Spiel gebrachte "Kultur-Flatrate" - mit deren Hilfe sämtliche digitalen Inhalte auf einen Schlag legalisiert und finanziert werden sollen - könnte aufgrund der enormen finanziellen Interessen Hollywoods schnell ein Fass ohne Boden werden und zu einer monströsen Datenkrake auswachsen, die in unsere persönlichsten Bereiche vordringt, um unser Konsumverhalten zu messen. Und dann wäre am Ende nichts gewonnen - ganz im Gegenteil.

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