Wie legal sind MP3-Blogs?

Irland treibt Lizenzgebühren ein, Google löscht Musikblogs ohne Vorwarnung

Musikblogs, die MP3 Downloads ihrer aktuellen Lieblingsstücke anbieten, geraten immer mehr ins Visier der Musikindustrie und ihrer Anwälte. Während in Deutschland das Hochladen von Musik ohne die entsprechenden Rechte längst illegal ist, befinden sich Musikblogger nun auch im Ausland unter verschärfter Beobachtung.

In Irland wurde nun ein Schreiben der irischen GEMA an zahlreiche Musikblogger verschickt, mit der Aufforderung, die von ihnen angebotene Musik kostenpflichtig zu lizenzieren. Zwar gibt es ein Preismodell für kleinere Blogs, die weniger als 7000 Euro pro Jahr umsetzen, Ausnahmen gibt es jedoch keine, bezahlen sollen alle.

Noch heftiger erwischte es sieben Blogs in den USA, die den Google-Service Blogger nutzen. Sie wurden von Google im Februar auf Betreiben von Rechtsanwälten der Musikbranche kurzerhand gelöscht, ohne jedoch im Einzelnen zu erfahren, aufgrund welcher Urheberrechtsdelikte. So konnten sie sich gegen die Löschung ihrer jahrelang gepflegten Blogs kaum juristisch zur Wehr setzen.

Bei allem Verständnis über die Empörung über so ein rigoroses Vorgehen gegen Musikfans, bleibt jedoch ein grundlegendes Problem: Es gibt zig-tausende von Musikblogs weltweit. Fast jeder postet seine aktuelle Lieblingsmusik, vor allem in den USA. Die meisten ohne kommerziellen Hintergrund, sondern einfach nur, weil es ihnen Spaß macht. Doch am Ende landen fast alle aktuell angesagten Tracks und Hits früher oder später auf irgendeinem Blog und sind über Blog-Suchmaschinen wie Hypemachine oder Captaincrawl innerhalb weniger Sekunden zu finden. Weltweit.

Die teuren und teilweise in jahrelanger Arbeit entstandenen Aufnahmen werden so innerhalb weniger Sekunden nahezu wertlos, denn wer kauft noch, was er einen Klick weiter ohne viel Mühe kostenlos bekommt? Kaum ein Label oder Künstler kann sich den Luxus eigentlich noch leisten, Musik herauszubringen. Viele bekannte und geschätzte Indielabels haben das nicht überlebt und wir werden in diesem Jahr wohl noch einige wichtige und gute Labels aufgeben sehen. Darunter leiden alle, die mit Musik arbeiten. Und irgendwann auch alle, die Musik hören. Viele Musiker geben ihre Karrieren auf und suchen sich einen "anständigen" Job, denn auch das Live-Geschäft wirft weniger ab, als man denkt - wenn man nicht U2 oder Lady Gaga heißt.

Warum ausgerechnet das durchaus sinnvolle Urheberrecht für Musikproduzenten nicht gelten sollte, nur weil man es heute technisch einfach unterlaufen kann, hat bisher noch keiner beantwortet. Doch umgekehrt gibt es eben auch kaum Alternativen. Legale Musik, die kostenlos im Netz gestreut werden kann, ist rar. Sie beschränkt sich bisher auf wenige Aufnahmen, die von Labels und Künstlern vereinzelt frei gegeben werden und z.B. hier über den Tonspion zu finden sind.

Blogger, die in ihrem Blog MP3s anbieten, sollten sich bewusst sein, dass ihr Blog nicht privat ist, sondern dass sie sich in einem öffentlichen Raum bewegen, in dem man geltendes Recht beachten muss, genauso wie die Verkehrsvorschriften - ganz egal ob einem das gefällt oder nicht. Diverse Firmen verdienen inzwischen ordentliches Geld, nicht durch den Verkauf ihrer Musik, sondern durch Abmahnungen. Musik anzubieten, die einem nicht gehört und an der man keine Rechte besitzt, ist natürlich nicht okay. Aber umgekehrt ist es auch nicht in Ordnung, mit rigorosen Mitteln gegen Musikfans vorzugehen, statt ihnen legale und kostenlose Alternativen anzubieten, um ihren Lieblingsbands Gehör und damit neue Hörer zu verschaffen.

Genau darin haben die Musikbranche und vor allem die Verwertungsgesellschaften auch schon im Kampf gegen Tauschbörsen kläglich versagt, sie sollten den gleichen Fehler nicht noch einmal machen.


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