Wie Steve Jobs den Tonspion rettete

Kein Nachruf, aber ein Dank

Steve Jobs ist tot. Der Mann, der den PC massentauglich machte, der den Walkman fürs MP3 Zeitalter schuf, der das Telefon zu einem mächtigen Minicomputer weiterentwickelte und ganz nebenbei das Musikbusiness rettete, ist gestern im Alter von 56 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. Auch wir sind Steve Jobs zu Dank verpflichtet.

Es war um das Jahr 2000, als das Musikbusiness, geschockt durch die Popularität von den neuen Tauschbörsen wie Napster, verzweifelt nach einem Ausweg aus einem Dilemma suchte. Das internet schien das Geschäft mit der Musik komplett auszuhöhlen, entsprechend wurde der Kampf gegen jeden möglichen Konkurrenten für das extrem lukrative Produkt CD mit harten Bandagen geführt.

Napster, das Anfang 2001 rund 80 Millionen Nutzer hatte und über dessen Netzwerk Milliarden von Musikdateien kostenlos heruntergeladen werden konnten, bekam dies zu spüren. Statt sich mit den jungen, begabten Entwicklern zusammen zu setzen und über die Zukunft des Musikvertriebs im Internet gemeinsam nachzudenken, wurde die Tauschbörse mit Klagen überzogen, bis sie schließlich ihren Betrieb einstellen und ihre Namensrechte veräußern musste. Nachfolgern wie Morpheus oder KaZaA ging es nicht viel anders. Doch was fehlte war die große Vision, wie das Musikgeschäft im Internetzeitalter aussehen könnte. Lange träumte man in den Chefetagen davon, dass das internet schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit versinken würde. Investiert wurde damals vor allem in unsinnige Digital Rights Management Systeme, die das Kopieren von Musik verhindern sollten.

Und da trat Apple-Chef Steve Jobs 2001 auf den Plan und erfand das Musikbusiness im Internet neu. Mit einem Shop für MP3 Dateien im hauseigenen MP3 Player iTunes. Der eigentlich recht naheliegende Schritt, schien die überforderten Strategen der Industrie zu überraschen, schließlich ließen sie sich mangels Alternativen auf den Deal ein, das Musikgeschäft zunächst weitgehend Apple zu überlassen und selbst vermeintlich niedrige Preise (99 Cent pro Song) zu akzeptieren. Ob das rückblickend klug war, müssen andere beurteilen. Jedoch setzte mit iTunes erstmals ein positiver und professioneller Umgang der Musikbranche mit dem Internet ein.

In zahlreichen Artikeln fast aller großer deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften über iTunes und seinen neuen Music Store im Jahr 2001 wurde Tonspion als legale kostenlose Alternative empfohlen. Und obwohl die Musikindustrie auch noch viele Jahre nach iTunes nach wie vor der sterbenden CD und den Printmagazinen den Vorzug gab, konnte sich unser 1998 gegründetes MP3 Musikmagazin (das Wort "Blog" war damals noch weitgehend unbekannt) im Windschatten von iTunes entwickeln, gewann Reichweite, Ansehen - und Werbekunden. Und das verdanken wir auch Steve Jobs. Zumindest indirekt.

Doch das Schaffen des genialen Business-Strategen reicht natürlich viel viel weiter. Schließlich war er es, der mit 21 Jahren gemeinsam mit seinen damaligen Mitstudenten den PC erfand, der die Grundlage für alles darstellt, was wir heute in der digitalen Welt lesen, sehen, hören und machen können.

Macbook, iPod, iPhone oder iPad sind nur die konsequenten Weiterentwicklungen dieser ungeheuren, respekteinflößenden Lebensleistung des Steve Jobs. Wir alle sind ihm zu Dank verpflichtet, auch wenn er, der besessene Egomane und Charismatiker zeitlebens nicht unumstritten war - und wohl auch über Leichen ging. Doch damit werden sich nun seine Nachfolger auseinandersetzen zu haben. Danke, Steve Jobs.

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