Wie war`s denn eigentlich ... auf dem Summercase Festival?

Schwitzen in Madrid – Teil 1 u.a. mit Air und !!!

Während sich der Rest der Tonspion nebst Chefredakteur die Zeit beim Melt! Festival vertrieb, stand in Spaniens Metropole Madrid das Summercase Festival auf dem Programm. Florian Schneider setzte sich 35 Grad, zwei Tagen und vier Bühnen aus, hier sein Bericht:

Hier hätte man kein Festival vermutet. Boadilla del Monte ist ein kleines Trabantenstädtchen vor den Toren von Madrid und nach circa dreißig Fahrminuten von der Innenstadt aus erreicht. Zwischen einförmigen Wohnhäusern auf der einen und der großen Leere der Sierra auf der anderen Seite erstreckt sich eine Art Mondlandschaft, auf der sich vor vier Bühnen die Indiecrowd der Hauptstadt tummelt. Ausgerechnet auf einem baum- und damit schattenlosen Schotterplatz sollen sich magische Festivalmomente einstellen? Die Location sollte aber die einzige Enttäuschung bleiben, zumal es sich unter zahlreichen Sonnenschirmen auf Bierbänken bequem gemacht werden konnte und das Programm sowieso erst gegen 21.00 Uhr richtig interessant wurde.

[Soulsavers feat. Mark Lanegan]
Fünf Minuten vor der angegebenen Zeit steht Mark Lanegan auf der Bühne. Der ehemalige Screaming Tree macht mit denen ersten Tönen klar, wer die tiefste und voluminöseste Stimme der kommenden zwei Tage haben wird. Gemeinsam mit den Soulsavers und zwei Background Sängerinnen im kleinen Schwarzen liefert Lanegan einen der intensivsten Momente des Summercase. Nach knapp 40 dichten Minuten verabschiedet er sich und überlässt das Feld den Soulsavers und ihrer Version von ?Some Velvet Morning?.

[Jarvis Cocker]
Der (Ex-)Pulp-Frontmann wird vom spanischen Publikum wie ein Messias empfangen. Frenetischer Jubel von Beginn an, das bringt sogar den sichtlich falsch gekleideten Engländer mächtig ins Schwitzen. Große Gesten inklusive auf dem Bodenwälzen und Monitorbox in den Bühnengraben treten, eine völlig gesichtslose Band und die Feststellung ?Cunts still running the world? bleiben in Erinnerung.

[The Gossip]
Nach dem hymnischen Bericht des Kollegen waren die Erwartungen entsprechend hoch. Beth Ditto wirkte die ganze Zeit wie ein Tiger mit Hospitalismus und lediglich bei ?Standing In The Way Of Control? flippte die ansonsten feierwillige Crowd so richtig aus. Musik für kleine Bühnen. So bleibt unter dem Strich: solide Rockshow.

[Air]
Kontrastprogramm im Anschluß. Fast klinisches Soundbild, Kommunikation mit dem Publikum am Rande der Verweigerung, aber einen hitträchtigen Querschnitt durch ihre Alben brachten die beiden Franzosen auf die Bühne. Aseptisch und irgendwie fehl am Platz.

[!!!]
Nach fünf Minuten mit dem prolligen Stadionrock der Kaiser Chiefs zieht es uns zu !!!. Mit der Energie, die das US-Kollektiv in einer Stunde ohne wirkliche Pause entfacht, hätte man wahrscheinlich den kompletten Strom für zwei Tage Festival erzeugen können. Kompakt, druckvoll und inzwischen ganz nah am perfekten Groove.

[Chemical Brothers]
Routiniertes Festival-Ravebrett, but !!! sucked all my energy. Wir lesen uns im zweiten Teil! (fs)

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