Wie war`s denn eigentlich bei... The Gossip?

Beth Ditto gibt (fast) alles in Berlin

Im vergangenen Jahr kürte die Tonspion-Redaktion "Standing In The Way Of Control" von The Gossip zum MP3 des Jahres 2006. Dass es sich bei der Band aus Portland/USA keineswegs um ein One-Hit-Wonder handelt, stellte sie gestern Abend in Berlin eindrucksvoll unter Beweis. Rock`n`Roll XXL im Columbiaclub.

Wer war eigentlich dieser Vollidiot, der vor vielen Jahren behauptet hat, Rock`n`Roll sei nicht tot, er rieche nur streng? Man sollte ihn zur Strafe lebenslang in einem McFit-Truck auf der Loveparade einsperren. Rock`n`Roll is back! Nicht erst mit Beth Ditto und ihrer Band The Gossip, aber mit Sicherheit gehört diese in eine Reihe erstklassiger Rockbands der jungen Generation, die in der Geschichte der Rockmusik ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben.

Wie The White Stripes kommen The Gossip mit der minimalistischen Besetzung Gitarre, Schlagzeug und Stimme auf die Bühne und wissen ohne Netz und doppelten Boden, schon mit wenigen Takten Musik ihr Publikum in den Bann zu ziehen. Beth Ditto wurde im vergangenen Jahr vom NME zur coolsten Person im Musikbuisness gewählt und das vollkommen zurecht. "I am a singer", faucht sie einem Konzertbesucher entgegen, der sie andauernd mit "Ausziehen"-Rufen belästigt, "and you are not in a strip club".

Dass sie eine Sängerin ist, braucht sie an diesem famosen Abend im Columbiaclub tatsächlich niemandem erklären. Ihre eindringliche, unglaublich druckvolle Stimme und ihre physische Präsenz - und damit sind nicht ihre Kilos gemeint - ziehen das Publikum vom ersten Lied an in den Bann. Sie kann kreischen, dass Janis Joplin vor Neid erblasst wäre. Und sie kann singen, wie sonst nur wenige Soulsängerinnen dieser Tage. Dass sie im Grunde ihres Herzens eine Soulsängerin ist, beweist sie mit einer musikalischen Hommage an Aaliyah und Timbaland, die sie als eine der größten Musiker aller Zeiten bezeichnet.

Und doch schlägt ihr Herz auch für den Rock`n`Roll mit einem groß geschriebenen ROLL, denn trotz minimaler Besetzung wissen ihre beiden Mitstreiter, wie man die Menge zum Tanzen und Toben bringt und das mit Stücken, die nur selten länger als drei Minuten sind. Im Zentrum des Geschehens steht jedoch die lesbische Sängerin, die nicht nur aus opportunistischen Gründen auch einen "homosexual love song" zum Besten gibt, sondern weil es ihr spürbar ein echtes Anliegen ist. Beth Ditto ist ein Rockstar, der nicht damit nervt, Rockstar zu sein. Sie ist einfach nur sie selbst. Mit Ecken, Kanten und vielen Rundungen. Und genau das macht sie so sympathisch und sexy.

Entzückt grinsende Gesichter im Publikum von Anfang bis zum grandiosen Ende der Show mit dem Überhit "Standing In The Way Of Control" für den sie sich mitten ins Publikum im restlos ausverkauften Columbiaclub begibt. Trotz Angeschlagenheit gab Beth Ditto ihrem "besten Publikum der Welt" fast alles, auch wenn dieses nach dem Verklingen der einzigen Zugabe "Listen Up" noch lange nach mehr verlangte. (ur)

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