Wie war`s denn eigentlich bei... Shut up and dance!

Ballett trifft Minimal Techno im Berghain
Das Staatsballett Berlin in einem der angesagtesten Schwulenclubs der Welt. Das hört sich nach einer spannenden Angelegenheit an. Für "Shut up and dance!" haben fünf junge Choreografen eigens komponierte Stücke von Produzenten in Szene gesetzt, die selbst regelmäßig im Berghain auflegen. Eine zwiespältige Angelegenheit.

Eröffnet wurde der Abend von einem Roboterballett zu einem Track von nsi. Silberfarben angemalte Tänzer bewegen sich roboterartig zur Musik, was zwar einige Klischees bedient, aber dennoch für den Einstieg die beiden Welten zusammenführte.

Beim zweiten Stück mussten die Tänzer gegen ein stinklangweiliges Stück Minimal-Techno von Sleeparchive ankämpfen, die ihrem Namen alle Ehre machten. Das versuchten sie in harlekinartigen Klamotten zwar tapfer, aber wozu will man tanzen, wenn keine Musik da ist?

Das dritte Stück stellte zumindest musikalisch das absolute Highlight des Abends dar und brachte die Grundidee auf den Punkt. Zu Âmes flirrenden "Fiori", ein großartiges Stück Musik, das sich jeglicher Kategorisierung entzieht, wurde in Outfits getanzt, wie sie auch sonst im Berghain jedes Wochenende anzutreffen sind: Armyhosen, Lack und Leder und viel nackte Haut. Choreograf Ronald Svkovic ließ sich voll und ganz auf den Ort und die Musik ein und ließ die - nach eigenen Worten - "atemberaubende und kräftezehrende Energie der Architektur" und des Clubs greifbar werden.

Kathlyn Pope hingegen hatte sich komplett in der Location vertan. Zwar nutzte sie als einzige die vielfältigen räumlichen Möglichkeiten, die die beeindruckende Industrieruine bietet. Dennoch kam zu Lucianos "Drunken Ballet" dabei nicht mehr als eine lustige Revuenummer heraus, die besser wenige Meter weiter ins Boney-M.-Zelt gepasst hätte, wo derzeit das Musical "Daddy Cool" aufgeführt wird.

Zum Abschluss gab es dann ein Highlight für Ballettfreunde, denn die Tänzer um Nadja Saidakova konnten sich zu Luke Slaters "Symphony for the Surrealists" vollends austoben. Der Titel des Stücks ist Programm und so rührt Slater eine Synthiesoundsoße an, auf die selbst Pink Floyd neidisch wären und zu der man alles oder nichts tanzen kann, denn eigentlich ist es völlig egal. Hans Zimmer lässt grüßen. Dennoch viel Applaus des gut gemischten Publikums.

Licht und Schatten also bei diesem Experiment, Ballett, Club und elektronische Musik zu verschmelzen. Man hätte sich mehr Mut gewünscht, sich mehr auf den Ort einzulassen und ihn nicht nur als Kulisse zu nutzen. Denn das, was das Berghain inzwischen weltweit berühmt und berüchtigt macht, hat doch über weite Strecken sehr gefehlt: erstklassige Musik und Sex. (ur)

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Ähnliche News

Wie war`s eigentlich bei... Scott Matthew? (Konzert)

Wie war`s eigentlich bei... Scott Matthew? (Konzert)

Die schöne Leichtigkeit der Melancholie
Vor zwei Jahren spielte seine Musik noch die Hauptrolle im Kinofilm "Shortbus". In Berlin spielte Scott Matthew nun wieder im Kino, aber einen Film braucht er dafür nicht.

Empfehlungen