Wie war`s denn eigentlich... beim Haldern-Festival?

Die Flaming Lips gratulieren, Maximo Park enttäuschen, die Gutter Twins überzeugen!

Alljährlich geht es raus in die Provinz am Niederrhein. Was stets nach Haldern lockt, ist ein exquisites Line Up, dem man nach 25 Jahren guter Geschmacksarbeit blind vertraut und eine überschaubare Größe, die eine entspannte Stimmung garantiert. Unsere Redakteure Florian Schneider und Björn Bauermeister waren dabei und berichten von vielen Schönheiten, aber auch kleinen Enttäuschungen.

Alljährlich geht es raus in die Provinz am Niederrhein. Was stets nach Haldern lockt, ist ein exquisites Line Up, dem man nach 25 Jahren guter Geschmacksarbeit blind vertraut und eine überschaubare Größe, die eine entspannte Stimmung garantiert. Unsere Redakteure Florian Schneider und Björn Bauermeister waren dabei und berichten von vielen Schönheiten, aber auch kleinen Enttäuschungen.

Der Auftakt:

Es regnet! Wie sollte es auch anders sein in Haldern ... Wenigstens verzieht sich die Regenfront pünktlich zu den ersten Takten der Foals. Ihrem Auftreten zufolge darf man die Gitarre auch wieder unter den Achseln tragen und sein Instrument fehlerfrei beherrschen, sofern man dabei so sympathisch und unverkrampft bleibt. Musik für Kopf und Beine und genau die richtige Vorbereitung für den großen Kindergeburtstag und vorgezogenen Festivalabschluss: die Flaming Lips. Die baten wenig Neues im Vergleich zu früheren Shows - statt Weihnachtsmännern und Aliens feiern inzwischen eben die Teletubbys mit - hätten am Sonntagabend dem Festival aber die Krone aufgesetzt!

Der durchwachsene Freitag:

Nicht nur im Hinblick auf das Wetter war der Freitag der bescheidenste Tag des Festivals. Begemann zieht trotz alter Entertainer-Qualitäten nicht jeden bereits zur Kuchenzeit aus dem Zelt heraus und The Kilians klingen so, als bräuchten sie mal eine kleine Pause. Kate Nash macht ihre Sache erwartungsgemäß charmant, wirkt aber zudem auch etwas lustlos – und derartiges färbt natürlich ab. Das erste Highlight des Tages fand man dann (wie sooft) im Spiegelzelt: Lykke Li war hübsch anzusehen, denn das Ganze hatte Energie und immer den schönen Beigeschmack, dass hier Großes heranwächst. Groß sind die Editors schon lang, umso erfreulicher, dass sie noch immer überzeugen und berühren. Entgegen der Erwartungen: gut. Aber zurück ins Spiegelzelt, wo Loney, Dear dann mit ihrer ansteckenden Begeisterung den Höhepunkt eines doch eher durchschnittlichen Festivaltages setzen, den Bohren & der Club of Gore (passenderweise) voller Schwere und Behäbigkeit beschließen.

Die Höhe- und Tiefpunkte:
Jumbo Jet eröffnen am Samstag bei strahlendem Sonnenschein den letzten der drei Festivaltage. Brachiale Musik trifft auf liebeserfüllte Menschen und eine durchgeknallte Performance mit tanzenden Kindern und radfahrenden Hippies auf der Bühne - ein sehenswerter Auftakt! The Dodos kommen live viel energetischer als auf Tonträger rüber und könnten durchaus als kleiner Überraschungssieger des Festivals gehandelt werden. Sieger aller anwesenden Herzen waren dann Okkervil River, die bei tiefstehender Sonne ihren passenden Soundtrack von der Hauptbühne pusteten. Da konnte sich Jamie Lidell noch so bemühen, sein Auftritt mit Band und in peinlichen Kostümen konnte nie an seine Konzertgroßtaten anschließen, als er allein im goldenen Hausmantel und mit einem Mikrophon in der Hand ganze Festivals in Verzückung versetzt hat. Dieser Auftritt hatte jedenfalls ähnlich viel Halbwertszeit wie sein neues Album "Jim".
Eine Enttäuschung stellten im Anschluss Iron & Wine dar, denen man einen Slot im Zelt gewünscht hätte. So verpuffte ihr Auftritt und erntet vor allem freundliches Desinteresse. "Jemand Lust auf Grillen?". Danach kommen The National auf die Bühne, die für die eine Hälfte der Redaktion alles wieder gut machen, während die andere Hälfte der anwesenden Tonspione das Weite sucht. Insofern war ihr Set entweder geprägt von "spitzenmäßiger Songauswahl in intensivster Atmosphäre" und damit: "Grandios!" oder eben "Eine nicht durchweg gelungene Imitation der Tindersticks".

Aber das eigentliche Tages- wie Festival-Highlight folgte im Spiegelzelt: die Gutter Twins. Die Regungslosigkeit namens Mark Lanegan und die Aura Greg Dullis erfüllen das Zelt mit einer kraftvollen, molligen Spannung, die fesselt - da ist man sich einig! Dass Maximo Park danach nicht zu einer Sekunde überzeugen können, mag überraschen, ist aber nicht verwunderlich. Ihre große Show bedient wenig, außer Standards und Klischees in schlechtem Soundgewand. Das passt in das beliebige Kirmes-Programm großer Sommerfestivals, aber nicht in die schöne Popprovinz am Niederrhein.

Björn Bauermeister & Florian Schneider / Tonspion.de

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