Wie war`s eigentlich ... auf dem Melt Festival?

Teil 2 - u.a. mit Hot Chip und Deichkind

Ein Festival, das an einem Freitag, den 13. startet, kann eigentlich nur gelingen. Das gilt zumindest für das diesjährige zweitägige Melt Festival. Hier rückblickend die Geschehnisse im Schnelldurchlauf, aus der hoffnungslos subjektiven Perspektive von Tonspion Redakteur Jan Schimmang. Hier Teil 2 seines Berichts.

Während am ersten Festival-Tag noch musikalische Vielfalt zwischen Minimal Techno, HipHop und Indiepop gefeiert wurde (wir berichteten), galt am zweiten Tag fast nur das Motto: Krawall und Remmidemmi.

[Hot Chip]
Der Höhepunkt des Melt war wirklich ekstatisch, nämlich die Quintessenz aus Pop und Club. Dass die Engländer es schafften, diese auch auf einer Festivalbühne am noch immer helllichten Tage zu transportieren, macht sie endgültig zu eine der relevantesten Bands der Gegenwart. Schnurstracks ohne aufgesetzte Attitüden, dafür mit umso mehr Begeisterung spielten sie sich mit brilliantem Sound durch ihre Hits. Das selbst neue Tracks, die auf dem kommenden dritten Album erscheinen werden (tba), von der Menge so gleich euphorisch angenommen wurden, kann einen fast schon beunruhigen. Denn man möchte doch demnächst endlich mal kritisch über Hot Chip schreiben dürfen.

[Digitalism]
?Mach mal lauter. Lauter!?, ein Zuschauer in der hinteren Reihe wurde ungehalten. Nicht ganz zu unrecht, den in der Tat hatte das Hamburger Duo etwas wenig Kraft im Outdoor-Output. Technisch gesehen. Dafür zogen Digitalism umso mehr Zuschauer, so dass man mehr innerlich tanzen musste, als so richtig aus sich raus zu gehen. Ansonsten war ihre Symbiose aus Wave und Elektro absolut melt-tauglich. Und wem´s hinten zu leise ist, der soll entweder nach vorne oder ganz nach hinten an die Bar gehen.

[The Presets]
Zwei Männer aus Australien machen richtig Alarm im Festivalzelt. Leider haben das nicht allzu viele Besucher mitbekommen, denn mitten in der Nacht spielten die Presets ihr energisches Disco-Set vor überraschend luftigen Reihen im leider etwas unschön die tolle Location verunzierenden Sounddwave-Zelt. Macht aber auch mal Spaß, als Zuschauer Platz zum Tanzen zu haben. Wieder auffallend gut wie auch beim gesamten Festival: der Sound. Dazu kann man den Veranstaltern nur gratulieren. Die Presets kann man übrigens am 28.7.07 noch einmal beim Berlin Festival erleben.

[Deichkind und Snap]
Eine Enttäuschung braucht jedes Festival, das was auf sich hält. Hier gab es zwei, die irgendwie auch eins waren, denn die Auftritte von Deichkind und Snap (ohne Turbo B) gingen nahtlos ineinander über. Dass Deichkind in der Helligkeit um fünf Uhr morgens als "wichtigste Band des Festivals" (so die Selbsteinschätzung) antraten, tat ihrer Bühnenshow nicht gerade gut. Aber prinzipiell sollten sich die Jungs jetzt mal was Neues einfallen lassen. Was anfangs mal großartig überraschend war (remember das letztjährige Melt), hat sich jetzt nach ausgiebigen Touren irgendwie doch abgenutzt und erinnert nur noch an Kindergeburtstag. 2Unlimited reloaded und Mülltüten am Körper knallen nun mal nicht ewig. Zudem nutzte man die beeindruckende Location und das in Massen herbeigeströmte Publikum, um Filmaufnahmen zu machen und dafür sogar das Konzert zu unterbrechen, was die angeheiterte Stimmung zu so später bzw. früher Stunde doch sehr strapazierte. Und Snap waren, Hand auf´s Herz, nicht mal mehr mit Ironie zu ertragen. Nach dem Opener ?Rythym Is A Dancer? hatte es sich für viele Besucher dann auch schon ausgetanzt. Geht okay. War immerhin schon so 6 Uhr morgens.

Wenn ihr wissen wollt wie der Jan Delay, der Black Rebel Motorcycle Club, Shitdisco und Tocotronic waren, müsst ihr eure Freunde fragen. Sorry. Man kann nicht alles sehen, denn das Melt hat ein Luxusproblem: zuviel des Guten. (js)

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