Wie war´s eigentlich auf dem Melt-Festival 2008?

Mit Björk, Franz Ferdinand, Hot Chip und ohne Hercules & Love Affair

Donner und Gloria, im wahrsten Sinne des Wortes. Das hippste unter den Festivals hatte mit einem Unwetter zu kämpfen und zeigte sich trotzdem von seiner guten Seite. Mit einigen Einschränkungen allerdings.

Donner und Gloria, im wahrsten Sinne des Wortes. Das hippste unter den Festivals hatte mit einem Unwetter zu kämpfen und zeigte sich trotzdem von seiner guten Seite. Mit einigen Einschränkungen allerdings.Im stilistischen Sinne des Radaktionskollegen Florian Schneider, der in dieser Form so auch schon das Exit-Festival zusammengefasst hat: die Tops und Flops des diesjährigen Melt ohne Wertigkeit der Reihenfolge.

Gewinner:

Fujiya & Mijagi: Wahnsinn mit was für einem Sound die Herren punkten können. Die Begeisterung war auch dem Publikum anzumerken - und das freut um so mehr, weil vielen von ihnen wahrscheinlich nur durch Zufall vor dieser Bühne gelandet waren.

Twisted Wheel: Die kurzfristige Absage der Wombats konnte also doch noch gut kompensiert werden. Denn selbst wer Indie-Geschrammel made in UK eigentlich nichts mehr abgewinnen kann, blieb plötzlich doch vor der Hauptbühne stehen.

Jape: Vielleicht das Überraschungs-Highlight des Festivals. Seine Folk-Seite lässt Richie Egan live gerne außen vor. Elektronische Popmusik mit Hang zur Rave-Ekstase. Dabei aber immer smart und charmant, niemals primitiv.

Franz Ferdinand: Hit an Hit. Sie haben nach dem Unwetter die Stimmung gerettet. Und: die neuen Songs, die sie schon live testeten, scheinen nahtlos an ihren jungen Klassiker anschließen zu können. Große Band.

Get Well Soon: Die volle Bandbreite von rührseliger Melancholie, einem würdigen Cover von Underworlds "Born Slippy" plus eine gehörige Portion Indie-Wut. Konstantin Gropper und Band überzeugten vollends. 

Verlierer:

Hercules And Love Affair: Extrem kurzfristige Absage des tollen DFA-Acts, mit bisher noch nicht genau geklärter Ursache. Und den Veranstaltern war dieser Umstand noch nicht mal eine kurze Ansage wert. Sie schickten stattdessen nach langer Pause kurzerhand Alter Ego auf die Bühne, was so manchen im Publikum in ungläubiges Staunen versetzte. 

Hot Chip: Tut fast schon ein bisschen weh, das schreiben zu müssen. Aber es hat diesmal mit ihnen einfach nicht so funktioniert. Sie hatten technische Probleme auf der Bühne und der Überraschungsmoment ihres Sets scheint aufgebraucht. Immer noch sehenswert, aber eben diesmal nicht zwingend.

Björk: Damit macht man sich keine Freunde und zugegeben, es ist auch nicht ganz okay, diese eigentlich beeindruckende Show (guter Sound inklusive Laser-Performance, zwanzig Leute auf der Bühne und so) nicht auf die Gewinner-Seite zu nehmen. Aber insgeheim dachte man sich: was dieser exklusive Auftritt den Veranstalter wohl gekostetet hat? Wäre es da nicht besser gewesen für den Sonntag ein paar andere Bands zusätzlich zu buchen? Denn der dritte Tag des Festivals war im Vergleich zum Freitag und Samstag mit seinen zwei Bühnen eigentlich zu spärlich besetzt.

Spezial-Preis:

Berlin Battery haben der Hauptstadt alle Ehre gemacht und am Sonntag das Gemini-Zelt abgerissen. Insbesondere Jack Tennis hat man so lange nicht mehr hinter dem Mixer gesehen. You call it new rave? This is electro!

Gratulation ans Publikum! Muss man den vielen Campern und Besuchern schon lassen: nach solch einem Unwetter, das Freitag und vor allem am Samstagabend das Gelände heimsuchte, trotzdem noch die Stellung zu halten, hat viel Respekt verdient. Und den Veranstaltern einen Dank, dass sie im nächsten Jahr nicht noch weiter vergrößern wollen, um die familiäre Athmosphäre nicht ganz zu zerstören. Endlose Wartezeiten und Schlangen am Einlass haben gezeigt, dass die Schmerzgrenze bereits überschritten ist.

Jan Schimmang / tonspion.de

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