Wie war´s eigentlich bei ... The Berlin String Theory?

Ausgewähle Stücke von u.a. Kante, Nylon, Olli Schulz und Tocotronic im Streicher-Arrangement live in der Berliner Volksbühne
Nur für einen Abend haben verschiedene Bands einen ihrer Songs neu interpretiert. Und jeweils mit Unterstützung eines Streicherquartetts live in Berlin präsentiert. Ein Neujahrskonzert der etwas anderen Art, nämlich ziemlich großartig.

Maßgeblich verantwortlich für den vollkommen gelungenen kuturellen Start ins neue Jahr zeichnen sich die beiden Hauptinitiatoren Nackt (Warren Suicide) und Yaneq (Party Arty Crew). Dieses Setup muss man erstmal klarkriegen: über zehn namhafte Akteure (neben den oben genannten noch Gods Of Blitz, Soffy O., Mamasweed) und eben auch Bands, die man an diesen Abend neu entdecken durfte (u.a. Pitchtuner oder der wohl einzige bisher nicht gesignte Act dieses Abend namens Band Deutscher Mädels). Sie alle arbeiteten seit rund einem Jahr an diesem Projekt - die unterschiedlichsten Genres schlossen sich im letzten Sommer im Studio ein. Und genau darin lag die Spannung: es passte zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört. Aber Noten funktionieren nunmal bestens als Transmitter. Jeweils ein Song wurde pro Interpret aufgeführt und die Summe der einzelnen Teile ergab trotzdem ein Ganzes. Apropos: Kantes "Die Hitze dauert an" war eines der Highlights des Abends, wunderbar episch inszeniert. Leider das einzige Stück, dass auf der dazughörigen CD-Compilation nicht vertreten ist (die an diesem Abend kostenlos an die Zuhörer verschenkt wurde und wohl leider nicht offiziell veröffentlicht werden wird?).

Damit kein Missverständnis entsteht: mit "Pop meets Classic" oder ähnlichen zweifelhaften Verwirrungen hatte dieser Abend rein gar nichts zu tun. Alle Songs waren vielfältig neu arrangiert, einzig und allein das Streicherquartett (übrigens mit Elke Brauweiler an der Bratsche) zog sich wie der typische rote Faden durch die Aufführung. Als wäre er die Lunte für die Explosion zum großen Finale. Denn für den gleichnamigen Track vom aktuellen Tocotronic-Album erschien Dirk von Lowtzow virtuell auf der Leinwand, live begleitet von den Streichern, ehe dann das gesamte Line-Up zu Gods Of Blitz´ "I Know" in der Warren-Suicide-Variation für das Ambiente der Berliner Volksbühne und deren Publikum einen absolut würdigen Schlusspunkt setzte.

Da wurde Nackt als Gastgeber des Abends dann gar etwas pathetisch: "Ich liebe Berlin. Was für eine Szene. Was für Menschen." Recht hat er, aber gefeiert wurde ausnahmsweise mal nicht nur die hippe Hauptstadt, sondern ausschließlich gute Musik, die jegliche Barrieren ignoriert.

Jan Schimmang / tonspion.de

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