Wie war´s eigentlich bei ... Brett Anderson?

Der Ex-Suede-Star hat seine Vergangenheit doch noch nicht hinter sich gelassen

Nach dem großen Erfolg mit seiner Band Suede musste Brett Anderson viele Tränen lassen. Die Kritik und auch das Publikum konnten mit seiner Nachfolgeband The Tears jedenfalls nie so richtig etwas anfangen. Jetzt hat er sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Und sollte endgültig abtreten. Denn besser kann man seine Erbe nicht verwalten: Brett Anderson gab am Freitag im Berliner Postbahnhof ein absolut großartiges Konzert.

Das Wichtigste zuerst. Brett Anderson hat im zweiten Teil seines Auftrittes mit den Suede-Klassikern "The Wild Ones", "Can´t Get Enough" oder "Trash" dem Publikum aufgezeigt, welches großes popmusikalische Gewicht für Ewig auf seinen Schultern ruhen wird. Auch wenn dem informierten Zuschauer dank der Setlists der bisherigen Konzerte seiner Solo-Tour bereits bewusst war, dass Anderson sich live eben nicht nur auf sein aktuelles Album konzentriert, ist es dem bisweilen launischen Briten hoch anzurechnen, dass er sich seinen großen Hits nicht in radiohead´scher Haltung verweigert. Das kam in dieser Form zumindest unerwartet, auch wenn er im aktuellen Line-Up seiner Band von ehemalige Suede-Mitglieder unterstützt wird.

Solide 90 Minuten spielte sich Brett Anderson zuerst durch einen Großteil seines selbstbetilten Solo-Debüts; souverän, gleichermaßen anspruchsvoller wie eingängiger Kitsch-Pop (mit den Highlights "Love Is Dead" und "Scopio Rising") für den er seit jeher ebenso gelobt wie gescholten wird. Polarisiert hat Anderson bekanntlich schon immer. Auffällig war dabei jedoch von Anfang an wie gut er es noch immer beherrscht, in jeder Sekunde seine Bühenpräsenz mit dem für ihn so typischen Sex-Apeal brilliant in Szene zu setzen. Jede Geste, jeder Blick und Schritt saß bis in letzte Detail.

Etwa in der Mitte des Sets dann sein Abgang, der - ehrlich zugegeben, Soloalbum hin oder her - erst seinen eigentlich großen Auftritt ankündigte, den er mit "By The Sea" schon angedeutet hatte. Nämlich den Teil des Konzertes, in dem er "The Wild Ones" nur mit seiner Akustikgitarre darbot und in jeder Nuance bewies, wie er als Sänger noch immer zu beeindrucken weiß und mit welch außergewöhnlichen und markanten Organ er gesegnet ist. Das Publikum sah es genauso, dankte es hin und hergerissen zwischen rührselig-nostalgischer Ergriffenheit und Begeisterung, die ihren Höhepunkt erfuhr als Anderson nach den eingangs genannten Suede-Klassikern bei "The Beautiful Ones" sich im Finale derart verausgabte, dass er das Mikrofon dem Publikum überließ und so seinem wirklich fulminanten Aufritt ein würdiges und charismatischen Ende verlieh. Auch wenn das Auditorium vehement nach mehr forderte, indem es den Sing-a-long von "Beautiful Ones" noch lange nicht verklingen ließ. (js)

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Wilderness

Brett Anderson - Wilderness

Redaktionswertung: 
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Pathos und Poesie
Fast unbemerkt hat Brett Anderson diesen Sommer sein zweites Solo-Album veröffentlicht und die Songs dabei nur äußerst dezent arrangiert. Und doch: mehr geht einfach nicht.