Wie war's eigentlich bei… Donna Summer?

Die Disco-Queen hielt Hof in Berlin

Zum ersten Mal seit Beginn ihrer erfolgreichen Solokarriere im Jahr 1969 trat Donna Summer gestern live vor ihren deutschen Fans auf – und begeisterte mit alten Hits und neuen Songs.

Vor genau vierzig Jahren kam Donna Summer als Ensemblemitglied des Musicals „Hair“ nach München, blieb dort mehrere Jahre und startete ihre große Karriere ebenfalls dort. Kein Wunder also, dass die heute 60-jährige Sängerin ihre überwiegend schwulen Fans in nahezu perfektem Deutsch begrüßen konnte. Dass sie ihre Wurzeln nie vergessen hat, zeigte sie mit einer Version von „Aquarius (Wassermann)“ aus dem Hippie-Musical, für die sie alte Kollegen aus ihrem damaligen Münchner Ensemble zu sich auf die Bühne holte - ein ganz besonderer Moment, nicht nur fürs Publikum.

Highlight einer Donna Summer-Show sind die unsterblichen Disco-Klassiker, die sie gemeinsam mit Produzent Giorgio Moroder in München schuf, allen voran „Love To Love You, Baby“ und „I Feel Love“, die sie aber leider nur in kurzen Versionen spielte („Love To Love You, Baby“ ist im Original satte 16 Minuten lang). Es ist ihr sichtlich unangenehm als reife Frau einen kompletten Song zu stöhnen. Dafür sang sie sich in bunt-glitzernder Abendgarderobe durch ein beeindruckendes Repertoire an Hits, bei denen sich nicht wenige jüngere Zuschauer immer wieder fragen durften: „was, das ist auch von der?!“: „Could It Be Magic“, „On The Radio“, „She Works Hard For The Money“ oder „Hotstuff“ - es waren vor allem die schnellen Disconummern, die das Tempodrom in eine ausgelassene Partylocation verwandelten, während ihre langsamen Nummern (u.a. „Smile“ zu Ehren ihres Freundes Michael Jackson) zwar ihr nach wie vor beeindruckendes stimmliches Potenzial demonstrieren, aber eben auch ein bisschen altbacken wirkten. Überraschend frisch klingen dagegen die Songs ihres letzten Albums „Crayon“.

Im direkten Vergleich zu ihrer Altersgenossin Grace Jones, die vor wenigen Monaten an gleicher Stelle ein beeindruckendes Live-Comeback feierte, hatte Jones zwar die bessere Bühnenshow und den wesentlich frischeren Sound, war auch körperlich noch besser in Form als ihre Kollegin, doch die Stimmung war angesichts von Evergreens aus vier Jahrzehnten(!) bei Donna Summer am Ende so ausgelassen, dass selbst eine kurze technische Unterbrechung der Show niemanden weiter störte.

Allein ihre Band nervte immer wieder mit einem undefinierbaren Brei aus Keyboardsoße, hier hätte man ihr die Backingband von Grace Jones gewünscht, die wesentlich konzentrierter und zurückhaltender zur Sache ging. Doch zum Glück wurde die Ankündigung des Veranstalters nicht wahr gemacht, dass Donna Summer mit einem Orchester auftreten würde, denn so konnte man die großen Hits nochmal weitgehend in den Originalfassungen live erleben. Nach dem oscar-prämierten „Last Dance“ gingen die Lichter an und die Party war vorbei. Ein höchst unterhaltsamer Abend mit einer lebenden Legende.

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