Wie war's eigentlich bei... Fischerspooner?

Es war nicht live, aber wir waren dabei

2001 waren sie die Club-Sensation der Stunde, 2005 verwirrten sie ihr Publikum als Rockband. 2009 sind sie wieder live unterwegs und spielen ihr erstes Konzert im ausverkauften Berliner Lido. Fischerspooner sind zurück.

Es war im Jahr 2001 als ein Raunen durch die Berliner Clublandschaft ging: einen ganz heißen Act aus New York hatte DJ Hell da aufgetan und er sollte seine erste Live-Show im Berliner WMF spielen. Fischerspooner hieß das Duo und ihre erste Single "Emerge" schaffte es kurze Zeit später so gut wie in jedes DJ-Set. Kaum eine Band brachte diverse Musikkulturen wie Electro, Disco, Rock, Pop oder Punk besser unter einen Hut, wie Warren Fischer und Casey Spooner.

Im Jahr 2005 spielten sie ein denkwürdiges Konzert beim Melt Festival verkleidet als Rockband. Diesmal allerdings unter Ausschluss der Obercoolen, denn die liefen längst dem neuesten Hype hinterher. Frontmann Casey Spooner gab den schwulen Dracula, den jeder Sonnenstrahl der gerade eben aufgehenden Sonne sofort töten könnte und war auch ansonsten leicht indisponiert. Dennoch eine großartige Show, die dank exzellentem Sound und ein paar handfesten Hits im Gepäck bei den verbliebenden Zuhöreren im Gedächtnis blieb.

Gestern spielten Fischerspooner nun die erste Show zur Tour ihres neuen Albums "Entertainment" in Berlin, der erste Auftritt seit ihrem sagenumwobenen Debüt. Und sie boten genau das, was der Titel verspricht: Unterhaltung. Die Rockband ließen sie zuhause, der Laptop wurde am Rand der Bühne aufgebaut genau so wie die Kleiderstange mit allerhand Glitzerfummel und dafür betrat der etwas pummelig gewordene Casey Spooner alleine mit vier Tänzern die Bühne. Zu keiner Sekunde ließ er Zweifel daran aufkommen, dass das die Musik sowieso von Band kam. Wurde ihm zu heiß, unterbrach er kurzerhand das Playback, um sich von seinen Tänzern das Hemd ausziehen zu lassen. Wer also auf ein echtes Live-Konzert gehofft hatte, wurde enttäuscht. Offenbar waren das nicht viele, denn die Stimmung wurde im Laufe des Abends immer besser, denn genau dieser entwaffnende Mut zur Lücke macht dieses Projekt so interessant.

Es geht um Show und Inszenierung, Fischerspooner sind immer noch ein Gesamtkunstwerk und keine normale Band. Und sie machen etwas, was in dieser Form nur in New York entstehen kann. Nirgendwo sonst muss man schon was einfallen lassen, wenn man sich gegen tausende von guten Bands und Show-Acts durchsetzen will. Wer meint, Fischerspooner sei einfach nur ein Electroclash-Ding, was seine fünf Minuten Ruhm gehabt habe, der hat nicht richtig zugehört und auch nicht richtig hingeschaut. Fischerspooner liefern eine Show ab, die vor Ideen und Kreativität nur so strotzt und selbst wenn man sich nicht mit allen Songs  anfreunden kann, haben sie dennoch ein paar unwiderstehliche Hits im Repertoire, die ihnen so schnell keiner nachmacht und die immer nur nach Fischerspooner klingen. Natürlich brachte vor allem "Emerge" das Publikum zum Schreien, aber auch danach war kein Halten mehr. Auch nach drei Zugaben und nachdem der DJ längst seine eigenen Platten spielte, wurde geschrien und geklatscht. Mehr davon!

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Entertainment

Fischerspooner - Entertainment

Gute Unterhaltung
Als DJ Hell das Electropop-Duo Fischerspooner im Jahr 2000 nach Berlin holte, schlugen sie ein wie eine Bombe. Inzwischen hat sich die Aufregung wieder gelegt und Warren Fischer und Casey Spooner zeigen auf Album Nummer 3 einmal mehr den Willen zum großen "Entertainment".

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