Wie war`s eigentlich bei... Get Well Soon? (Konzert)

One-Man-Show mit Unterstützung

Er ist der aufgehende Stern am Alternative-Pop-Himmel. Konstantin Gropper präsentierte das Debütalbum seines Ein-Mann-Projekts Get Well Soon vergangene Woche im Berliner Postbahnhof.

Konstantin Gropper wirkt so gar nicht wie ein Star, wie er am vergangenen Donnerstag nach der unfassbar lahmen Vorband die Bühne des Berliner Postbahnhofs betritt und seine Gitarre stimmt. Man spürt sofort: hier will einer nicht durch Auftreten und Posen überzeugen, sondern alleine mit seiner Musik. Und die lässt schlagartig die restlos ausverkaufte Halle verstummen. Bereits nach wenigen Takten ist klar, Get Well Soon funktioniert nicht nur auf seinem komplett im Alleingang eingespielten Album, auch mit seiner Backing-Band entwickeln die Songs Kraft und Energie und ziehen die Leute in ihren Bann.

Im Zentrum des Geschehens bleibt allerdings der Songwriter selbst, der seine Songs lebt, der sie durchleidet und mit wenigen Gesten seine Band antreibt. Die wirkt im Hintergrund, ist bestens eingespielt und bleibt doch insgesamt etwas zu bieder und blass. Es fehlt der Gegenpol, der etwas von der Last des sympathisch schüchternen Frontmanns abnimmt, der bekennt, dass er eigentlich nicht gerne im Mittelpunkt steht. Auch seine Schwester, die brav ihre Parts an Geige und Backing-Vocals beisteuert, kann ihm da nicht viel helfen und hat sichtlich mit ihrer eigenen Nervosität zu kämpfen.

Die Songs bleiben zwar auch in der Live-Umsetzung großartige Ohrwürmer, Groppers Stimme ist immer präsent und auf dem Punkt, allerdings setzt nach dem vierten Trompeten-Violin-Solo auch eine gewisse Ermüdungserscheinung ein und man wünscht sich ein anderes Tempo, andere Instrumente und etwas mehr Abwechslung.

Trotz dieser kleinen Schwächen hat der Auftritt das große Talent des Pop-Akademie-Absolventen unterstrichen und darüber hinaus bewiesen, dass eine Popschule nicht zwangsläufig ins Muckertum oder in Casting-Shows führen muss, wenn man weiß, was man will. Groppers große Songbögen, seine kaum versteckten Zitate und Anleihen bei Radiohead, Calexico oder Nick Cave haben immer ihren ganz eigenen Charakter und werden vermutlich auch dafür sorgen, dass das Ausland bald Notiz von ihm nimmt. Denn das, was am allerwichtigsten ist in der Popmusik hat der unscheinbare junge Schwabe wie kaum ein anderer hier im Land: ein riesiges Songwriting-Talent.

Udo Raaf / Tonspion.de

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