Wie war´s eigentlich bei ... The Good, The Bad And The Queen?

Damon Albarn mit seiner All-Star-Band live in Berlin

Dass sich das neue Projekt des Blur-Frontmanns Damon Albarn aus erfolgreichen Veteranen der Branche zusammensetzt, dürfte sich mittlerweile herum gesprochen haben. In dieser Woche gab die Band ihr bisher erstes Deutschland-Konzert im Berliner Postbahnhof.

Wie Albarn dieses Line-Up organisatorisch zusammen bringen konnte, bleibt wohl sein Geheimnis: Paul Simonon (Ex-The-Clash) spielt den Bass, Simon Tong (Ex-The-Verve) die Gitarre und Afrobeat-Pionier Tony Allen (u.a. Zusammenarbeit mit Fela Kuti) sitzt am Schlagzeug. Gestern abend wurde die Band im - natürlich vollkommen überfüllten und ausverkauften Berliner Postbahnhof - zusätzlich noch von einem Keyboarder und von Streicherinnen unterstützt.

Rund eine Stunde spielten The Good, The Band & The Queen sich durch die Tracklist ihres aktuellen Albums. War das Konzert das, was man von der im Feuilleton hochgelobten Band erwartete, nämlich die gelungende nuancenreiche und akkustisch perfekte Live-Umsetzung ihrer Songs, wurde die Zugabe zum eigentlichen Highlight: urplötzlich wurde dem verdutzten Publikum eine fleischgewordene Metapher des musikalischen Culture-Clashs präsentiert, als ein massiger, augenscheinlich arabisch-stämmiger Gast-Rapper namens Esrim (?) für einen bisher unbekannten Song (?) die Bühne betrat. Dieser zeigte sich in einer Mixtur aus tradiotionell islamischem Gewand und Hip-Hop-Outfit, rappte seine Strophe und ließ sich feiern, um dann genau so schnell wie er gekommen war wieder im Backstage zu verschwinden. Ein gelungende Überraschung.

Vielleicht steht diese Szene sinnbildlich für Damon Albarns Verdienst für die Popkultur: denn er schafft es auch mit seinem neuen Projekt zu beweisen, dass sich Popmusik nicht ständig selbst wiederholen bwz. zitieren muss, sondern auch Ur-Gesteine des Britpops neue Wege gehen können. Apropos: Paul Simonon legte am gestrigen Abend in gewohnter Manier auf der Bühne so viel Wege zurück, dass er niemals still stand, er war derart unruhig und immer in Bewegung, dass seine stets präsente Motorik schon ein bisschen nervte, weil sie manchem Song die Atmossphäre nahm. Im Gegensatz dazu wirkte Simon Tong ungewöhnlich konzentriert, fast schon angespannt. Albarn selbst - gestern zierte den Pop-Gentleman mit dem Lausbubencharme kurioserweise anscheinend auch eine Zahnlücke in den Vorderzähnen - gab sich so relaxt und spielfreudig wie man es vom ihm erwartete. Und, das wichtigste zum Schluss: auch wenn er bei vielen Tracks am hinteren Bühnenrand den Pianoman gab stand seine charismatische und kristallklare Stimme in jeder Sekunde des gestrigen Konzertes im Vordergrund. (js)

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