Wie war´s eigentlich... beim Exit Festival?

Sex Pistols, Primal Scream, The Hives und 500 andere Bands rocken Serbien
Wie wird man einem viertägigen Spektakel gerecht, das auf 16 Bühnen innerhalb von vier Tagen knapp 500 Acts präsentiert? Verknappung statt ausschweifendes Reviewing ist die Devise, hier chronologisch die Gewinner und Verlierer des viertägigen Festivals in Serbien, dem Hotspot des britischen Festivaltourismus.



Gewinner:


Primal Scream: Im Anschluss an Modfather Paul Weller zeigten Bobby Gillespie dem Grauhaarigen wer momentan Britannia regiert. Unglaublich kraftvoller Auftritt, zudem kickten die Songs aus dem neuen Album "Beautiful Future" schon beim ersten Hören gewaltig.

Skream & Benga: Die juvenilen Posterboys des Dubstep haben inzwischen sogar die Hauptbühne eines Festivals mit mehreren tausend Leuten davor im Griff. Anarchisches Back-to-Back-Set, bei dem im wahrsten Sinne des Wortes die Sonne aufging.

Pete Philly & Perquisite: Die HipHopper aus den Niederlanden wissen wie eine moderne Rapshow auszusehen hat. Dicke Beats, perfekter Sound und ein mörderischer Freestyle überzeugte jeden der leider nur knapp 200 Anwesenden.

The Hives: Meine Herren, da stimmt jeder Handgriff und die schwedischen Styler überzeugen selbst hart gesottene Hives-Muffel mit ihrer schieren Präsenz. Respekt für soviel Power.

Booka Shade: Im Gegensatz zu ihrem aktuellen Album überzeugen Booka Shade und stellen ein für einen Electronic-Act ziemlich einzigartige Liveshow auf die Beine. So energetisch, dass man sich sogar an den etwas seltsamen Anblick eines E-Drumsets gewöhnen kann. Sympathisch!


Verlierer:


The Presets: Irgendwie wirkte der Auftritt der Australier schlapp und Sänger Julian Hamilton mit der Aufgabe überfordert, Knöpfe und Tasten zu drücken und zugleich den Frontmann zu markieren.

Soulwax: "Nite Versions": Klappe, die tausendste. So langsam wird es wirklich allerhöchste Zeit, dass die vier Belgier ein Studio von innen sehen. Überraschungsarme Show, die vom Publikum trotzdem gefeiert wurde.

Juliette & The Licks: Juliette Lewis müht sich redlich Iggy Pop, Mick Jagger und Axl Rose gleichzeitig zu verkörpern. Leider geht ihre Band nicht mit der gleichen Konsequenz zu Werk und der Auftritt im Rock´n´Roll-Gebaren der öberkörperfreien Herren unter.

Sex Pistols: Wirkten wie eine Coverband, die zufällig so aussieht wie die Sex Pistols. Saft- und kraftlos wird hier so lange die Geldkuh gemolken bis kein Tropfen mehr herauskommt. Bitte keine weitere Tour mehr, dann wäre der Mythos endgültig dekonstruiert.


Spezialpreis der Jury:

Pharrell Williams von N*E*R*D lobt Serbien als ein Land, das großartige Krieger hervorgebracht hätte, während John Lydon von den Sex Pistols ein Ende des Krieges im Irak fordert und minutenlang das Publikum zu "Allah"-Rufen animiert bis auch er die Buhrufe des Publikums nicht mehr ignorieren kann. Bizarr!

Florian Schneider / Tonspion.de

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