Wie war´s eigentlich beim Konzert von Calvin Harris?

Nicht nur in den 80ern akzeptabel - The Twen Of Pop live in Berlin
Am Samstag lieferte Calvin Harris den Gig, den man sich von ihm erhofft hatte: Sound exzellent, Entertainment hervorragend. Bestnote für den jungen Schotten.

Aber es begann mit einer anderen Band: Does It Offend You, Yeah? Ja, tut es. So was von nervig. Kaum Songstrukturen, nur im wahrsten Sinne des Wortes viel Lärm um nichts. Sehr, schade, weil was sie im Studio fabriziert haben, klang durchaus okay. Wie auch immer, dem blutjungen Publikum mit den bunten Shirts in den ersten Reihen hat´s gefallen.

Als Calvin Harris seinen Synthesizer anstellte, war der Frust über die Vorgruppe schnell vorüber. Es offenbarte sich ein Klangteppich, ein reiner Sound, zudem man nur gratulieren kann. Und als der Mann die ersten Töne ins Mikrofon sang, war dies die Überraschung des Tages: er hat auch noch Stimme. Und zwar eine, deren Substanz über das ganze Konzert hinweg ziemlich beeindruckte. Auch der Kollege und Gitarrist mit der Kopfstimme, klang so treffend, dass man sich bei ihm fast schon fragen musste, ob seine Spur nicht vom Band kam. Jedenfalls können sich Zoot Woman am technischen Setup des Harris´schen Teams wirklich mal ein Beispiel nehmen.

Von Anfang an ballerte Calvin einem seine Hits um die Ohren, die zugegebnermaßen noch nicht einmal sonderlich aufwendig live umgesetzt wurden, aber eben von der ersten Sekunde an knallten. Und als man dachte, das Harris mit "Acceptable In The 80s" und "This Is Industry" seine Munition vorschnell verschossen hatte, wurde man eines Besseren belehrt.

Das gesamte Konzert war ein einziger mitreissender Fluss, in dem der schlaksige Kerl zudem noch die schweißnasse Bühnensau gab. Dass er zudem die Tricks des Entertainments verinnerlicht hat, wurde spätstens gegen Ende des Sets deutlich, als er die Lyrics von "Girls" in "Berlin Girls" mutieren ließ.

Sicherlich, Calvin Harris zog seine Tracks in die Länge, wiederholte Motiv um Motiv, aber warum nicht, wenn´s so gut funktioniert? Am Ende sah man sich mit drei Tatsachen konfrontiert. Erstens: das ist 80er-Jahre-Pop mit dem Know-How der Gegenwart. Zweitens: Calvin Harris war gerade mal in der Mitte seiner Referenz-Epoche geboren. Drittens: das Großteil seines Publikums hat in den 90er Jahren das Licht der Welt erblickt - und war trotzdem oder gerade deswegen vollkommen und zu recht begeistert.

Jan Schimmang / tonspion.de

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