Wie war`s eigentlich... beim Konzert von Grace Jones?

Nightclubbing mit einer Pop-Ikone

Sie ist einer der größten Popstars der 80er Jahre und hat in diesem Jahr ein furioses Comeback-Album veröffentlicht: die überirdische Grace Jones ist gestern auf ihrer Tour im Berliner Tempodrom gelandet.

Mit Iggy Pops "Nightclubbing" eröffnet Grace Jones ihr Konzert im Tempodrom und lässt von der ersten Sekunde keinen Zweifel daran, dass sie nichts verlernt hat in den 19 Jahren ihrer Abwesenheit vom Popzirkus. Jede Pose sitzt, alle Scheinwerfer sind nur auf sie gerichtet, während ihre hervorragend eingespielte Band die komplette Show im Schatten steht und den unbestrittenen Star des Abends musikalisch ins rechte Licht setzt.

Aufwendige Videoinstallationen? Tänzer? Fehlanzeige. Eine Grace Jones braucht nichts, was neben ihr glitzert und funkelt oder tanzt. Sie erledigt das alles eben mal selbst. Bereits beim zweiten Song "This Is" stürmt das Publikum vor die Bühne des komplett bestuhlten Tempodroms. Kein Wunder spielen im ehemaligen Alternativkulturtempel heute eher die Untoten des deutschen Schlagers.

Wer allerdings erwartet hatte, dass es Grace Jones in ihrem 61. Lebensjahr auch ruhiger angehen lässt, sah sich angenehm überrascht. Im hautengen Body und nach wie vor mit Modelfigur, spielte sie sich als eine Art schwarze Anti-Madonna durch ihr Programm, einer Mischung aus alten Hits und den Songs des neuen Albums "Hurricane", die ihr spürbar mehr am Herzen liegen.

Während ihre alten Songs die glamouröse Oberflächlichkeit der 80er Jahre perfekt widerspiegeln, sind die neuen Songs wesentlich deeper, dunkler, erdiger und damit auch zeitgemäßer. Bei welchem Konzert kann man bitte behaupten, dass die neuen Songs besser sind als die alten Hits? Seine jamaikanischen Roots hat das ehemalige Bond-Girl jedenfalls nie vergessen. Mit Leichtigkeit hätte sie wohl ein Album mit Coverversionen a la "La Vie en Rose" in die Charts oder ins Radio bringen können, alleine dadurch, dass sie den Songs ihren unverwechselbaren Stempel aufdrückt. Stattdessen hat sie etwas gewagt und sich einmal mehr neu erfunden.

Doch ein Konzert von Grace Jones lebt nicht von der Musik allein, sondern durch die Aura der Protagonistin und unzählige Kostümwechsel, mal lebendige Discokugel, mal fauchendes Kätzchen, mal Domina, mal liebende Mutter. Im Vorprogramm ließ sie ihren Sohn mit seiner Band auftreten, was dieser mit artigen Worten über seine Mum dankte, denn alleine hätte er es wohl kaum vor ein so großes Publikum geschafft.

Ganz anders seine Mutter, die sich alles leisten kann, selbst sich im fortgeschrittenen Alter lasziv an der Stange zu räkeln, ohne deshalb peinlich oder überambitioniert zu wirken. Alles was sie tut, tut sie mit einer coolen Lässigkeit, als hätte sie all die Jahre nichts anderes gemacht. Am Ende singt sie ihren größten Hit "Slave To The Rhythm" während sie das komplette Stück über einen Hulla-Hoop-Reifen elegant um die Hüften kreisen lässt und auch noch danach während sie ihre Band vorstellt. Großes Kino und das alles live. Eines der besten Konzerte, an die ich mich erinnern kann.

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