Wie war´s eigentlich beim ... Konzert von Ian Brown?

Der Sänger der Stone Roses live in Berlin

Ein Abend zwischen Nostalgie, Ikoniesierung und einigen kleinen technischen Defiziten. Ian Brown gab eines seiner seltenen Gastspiele auf dem europäischen Festland - und taugt noch immer als Legende.

Ein Abend zwischen Nostalgie, Ikoniesierung und einigen kleinen technischen Defiziten. Ian Brown gab eines seiner seltenen Gastspiele auf dem europäischen Festland - und taugt noch immer als Legende.

Manchmal fragt man sich, wie eigentlich die Deals mit gewissen Vorbands zustande kommen. The Groovy Cellar, eine nicht mehr ganz junge Band aus Berlin, waren - bei allem Respekt - wenn überhaupt nur eine Fußnote dieses Abends.

Der große Auftritt im Columbia Club hingegen begann mit einem Trompetensolo. Das Motiv des Paten. Eine gelungene Inszenierung. Weil Ian Brown, König von Madchester, die Symbolfigur des originären Britpops, darf das. Und spätestens als er Mitte des Sets gefühlte fünf Minuten den Bass und die Akkorde des Stone-Roses-Klassikers "I Wanna Be Adored" durchlaufen lies, ehe seine gleichermaßen charismatische wie irgendwie brüchig-dünne Stimme diese Zeilen zu singen begann, die vielleicht eine ganze Generation sowie unzählige Bands geprägt haben, war klar: der Besuch hat sich gelohnt. Die obligatorische Gänsehaut machte sich vom Scheitel der Fransenfrisur bis in die Adidas-Sneakers breit. Für einige im zum Teil erstaunlich jungen Publikum konnte die Magie des Ganzen wohl nur bedingt nachvollzogen werden, aber selbst ihnen sah man den Respekt in die Gesichter geschrieben.

Die Setlist war ein Ritt durch Browns Gesamtwerk, alte Stone-Roses-Tracks ("Made Of Stone") oder Stücke wie "Dolphins Were Monkeys" aus seinem frühen Solozeiten bis zu seiner aktuellen Single "Sister Rose". Dabei gelang es ihm zu beweisen, dass er noch immer künstlerisch relevant ist. Und zwar nicht nur im Zuge nostalgischer Verklärung als Ikone des wilden Madchester, sondern auch als Songwriter und kreativer Visionär. Diese These sei gestattet, denn als Ian Brown sein "Golden Gaze" performte, erinnerte es einen heftig an das, was heutzutage auf den üblen Namen "New Rave" hört. Nur eben mit dem Unterschied, dass besagtes Stück bereits rund zehn Jahre alt ist.
Aber trotz aller Anerkennung für die Aura und Leistung von Ian Brown: technisch war das Durchschnitt. Die Streicher-Arrangements, die das Herz seines Soloschaffens - auch seines aktuellen Albums "The World Is Yours" - bilden, kamen vom Band. Sound und Stimme klangen keineswegs optimal.
Aber das Publikum störte diese Tatsachen nicht, der Mann mit den kantigen Gesichszügen wurde im wohl nicht ausverkauften Club frenetisch gefeiert. Denn bei ihm geht es um mehr. Er steht als Identifikationsfigur synonym dafür, dass man in der Popkultur modern altern kann, ohne als peinliches Ex-Klischee zu enden. Was vielleicht auch schlichtweg daran liegt, dass er noch lange nicht mit sich und der (Pop-)Welt fertig ist.
  
Jan Schimmang / tonspion.de

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