Wie war`s eigentlich... beim Konzert von Leonard Cohen? (Video)

Der Altmeister der gepflegten Melancholie begeistert Berlin

Kaum zu glauben: nach jahrelanger Abwesenheit kehrt Leonard Cohen auf die Bühne zurück - und betört über drei Stunden lang 12 000 Menschen in der Berlin Arena mit leiser Melancholie - und Freundlichkeit.

Kaum zu glauben: nach jahrelanger Abwesenheit kehrt Leonard Cohen auf die Bühne zurück - und betört über drei Stunden lang 12 000 Menschen in der Berlin Arena mit leiser Melancholie - und Freundlichkeit.Cohen eröffnet das Konzert mit eher leichten Songs wie "Dance Me To The End Of Love", "The Future", "Bird On A Wire" oder "There Ain`t No Cure For Love". Und er hat nichts verlernt, in all den Jahren der Abgeschiedenheit eines buddhistischen Klosters. Ganz im Gegenteil: Leonard Cohen strahlt eine unglaubliche Ruhe und Herzlichkeit aus, die sich im Laufe des Abends immer stärker aufs Publikum überträgt. Vor allem gewinnt er es mit seiner bescheidenen und stets leise-selbstironischen Art ("zuletzt habe ich vor vierzehn Jahren hier gespielt, damals als 60 jähriger junger Hüpfer") - Eigenschaften, die man heute im Showgeschäft selten finden dürfte.

Im zweiten Teil des Konzerts gibt er seine größten Hits zum Besten "Suzanne", "So Long Marianne", "Tower Of Song" und "Hallelujah" allesamt in neuen, musikalisch abgespeckten Versionen und immer wieder schafft er es, dem Publikum mit seiner tiefen, brüchig gewordenen Stimme die Tränen in die Augen zu treiben. Man hängt förmlich an seinen Lippen, wenn er Zeilen singt wie "Ring the bells that still can ring/Forget your perfect offering/There is a crack in everything/That`s how the light gets in" - und damit süffissant den Zusammenbruch des Bankensystems in den USA kommentiert.

Überhaupt ist das einzige was stört an diesem Abend die Umgebung: Viel besser als in die neue O2 Arena hätte Cohen in die Philharmonie oder einen alten Konzertsaal gepasst. Trotzdem machen er und seine neunköpfige Band den Ort des Geschehens schnell vergessen, was nicht nur an dem alten Orient-Teppich liegt, den er auf der Bühne auslegen ließ. Cohen schafft es, eine geradezu intime Athmosphäre in die schnöde Kommerz-Mehrzweckhalle zu zaubern.

Gegen Ende des Konzert stürmt das bis dahin brav sitzende - und überraschend bunt gemischte - Publikum vor zur Bühne und will dem Mann nahe sein, den man vermutlich nicht mehr live erleben wird. Schließlich kam er nur deshalb auf die Bühne zurück, weil seine Managerin ihn in den Jahren im Kloster um sein Vermögen gebracht hatte. Davon ist jedenfalls gar nichts zu spüren, Cohen ist voll da und genießt es ganz offensichtlich, seine alten, unsterblichen Songs nochmal aufblühen zu lassen. Und so möchte man ihr eigentlich fast schon persönlich dafür die Hand schütteln, dass Cohen in seinen alten Jahren nochmal auf Tour gehen musste.

Mit einem seiner schönsten Lieder "If It Be Your Will" (das seine Background-Sängerinnen für ihn singen), "I`m Your Man" (in dem er gekonnt den alten Casanova in sich heraus kramt), "Famous Blue Raincoat" (alleine an der Gitarre) und zuletzt "Closing Time" beschließt er ein dreistündiges Konzert, in dem er dem Publikum alles gibt, was es sich von einem Abend mit Leonard Cohen erhofft hatte - und mehr. Hüpfend und feixend verlässt Leonard Cohen die Bühne, das Publikum spendet Standing Ovations und holt ihn zur letzten Zugabe "I Tried To Leave You" zurück auf die Bühne.

Udo Raaf / Tonspion.de

Weitere Termine:

06.10.08 München (Olympiahalle)
29.10.08 Frankfurt (Festhalle)
31.10.08 Hamburg (Arena)
02.11.08 Oberhausen (Arena)

Hier eine Live-Version von "If It Be Your Will" aus den 80er Jahren:


Und eine Coverversion des Songs von Antony Hegarty (2005) aus der Cohen-Doku "I`m Your Man":




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