Wie war´s eigentlich beim Konzert von... Tocotronic?

Kapitulation im Schauspielhaus Bochum
Elmar Goerden kann sich freuen. Seit dem Beginn seiner Amtszeit als Intendant des Bochumer Schauspielhauses ist der Mann nicht vom Erfolg verwöhnt. Analog zum Niedergang der Stadt befindet sich auch das traditionsreiche Theater in einer Krise. Künstlerisch und kommerziell, zumindest gemessen am großen Erfolg von Goerden Vorgänger Matthias Hartmann.

In einer solchen Situation ist ein ausverkauftes Haus Balsam für die Seele, selbst wenn der Erfolg einer Band und keiner Inszenierung geschuldet ist. Auf dem Spielplan steht "Kapitulation", Regie führen Tocotronic. Und die Vier aus Hamburg haben sichtlich Ehrfurcht als sie die Bühne betreten. Hier, wo schon Zadek, Pey- und Hausmann Shakespeare, Tschechow, Beckett inszenierten, sollen sie jetzt plötzlich Regie führen?

Vorsichtig, beinahe bedächtig starten Tocotronic ins Konzert, tasten sich langsam durch Songs wie "Sie wollen uns erzählen". Selbst "Aber hier leben, nein danke" bleibt seltsam verhalten und der mit 811 Männern und Frauen restlos gefüllte Theaterraum schön auf seinen Stühlen sitzen. Dabei ist der Sound fantastisch und sorgt dafür, dass die Songs der aktuellen Platte "Kapitulation" noch ein kleines Stückchen mehr über allem stehen, was Tocotronic bisher gemacht haben. Musikalisch und textlich.

Mit der Band, die ich vor knapp 12 Jahren im Freiburger Jazzhaus erstmals gesehen habe, haben Tocotronic 2008 nichts mehr gemein. Daran ändert auch das schönste Liebeslied aus der Feder von Lotzows "Drüben auf dem Hügel" nichts. Der eindrucksvolle und intensive Abend komprimiert in zwei Stunden, welchen Weg Tocotronic in den letzten Jahren gegangen sind, um zu sich selbst zu finden, um mit den Heerscharen von Trainingsjackenträgern umzugehen und in Würde zu altern. "Kapitulation" kann so schön sein, wenn "kein Wille triumphiert".

Florian Schneider / Tonspion.de

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