"Wir sind keine Vorbilder für irgendwas"

Thom Yorke und David Byrne sprechen über "In Rainbows"

Viel wurde gemunkelt über die Gründe, warum Radiohead ihr neues Album via Internet quasi verschenkt haben. Beim Wired-Gespräch mit David Byrne räumt Thom Yorke mit einigen Spekulationen auf und nennt die wahren Gründe für diesen drastischen Schritt.

Thom Yorke verbindet so einiges mit Talking-Heads-Mastermind David Byrne. Von dessen Song "Radio Head" hat die Band ihren Namen. Im Gespräch für die Wired sprechen beide über den Wert von Musik. Dabei betont Yorke erneut, dass es der Band nicht darum gegangen sei, das Musikgeschäft zu revolutionieren. "Es war lediglich die Antwort auf unsere Situation. Wir haben keinen Vertrag. Wir haben ein eigenes Studio. Wir haben diesen neuen Server. Was zum Teufel sollten wir denn anderes tun? Es war das naheliegendste." Yorke schildert, wie aufregend es gewesen sei, nur zwei Tage nach Abschluss der Studioarbeiten, das neue Album auf der Seite zu haben und es direkt den Fans zugänglich zu machen.

Gleichzeitig betont Yorke, dass er sich kaum vorstellen könne, dass dieses Modell sich auch für andere Bands auszahlen könnte. "Der einzige Grund, warum wir damit davon gekommen sind, warum das überhaupt jemanden interessiert hat, ist, weil wir durch diese ganze Musikbusiness-Mühle gegangen sind. Es funktioniert nur für uns, weil wir heute an diesem Punkt sind."

Auf die Frage, ob sie denn mit ihrem "Zahl-was-du-willst"-Prinzip - eine Idee ihres Managers - auch Geld verdient haben, antwortet Yorke: "Bezogen aufs Internet haben wir mit diesem Album mehr Geld verdient, als mit allen anderen Alben zusammen. Und das ist Wahnsinn! Das liegt teilweise daran, dass die EMI uns kein Geld für digitale Verkäufe gegeben hat. Alle Verträge aus einer bestimmten Ära haben entsprechende Lücken."

Jungen Bands kann Yorke allerdings auch nicht viel Hoffnung machen, dass sie eine ähnliche Karriere machen könnten, wie sie Radiohead in den Neunzigern gelang: "Wenn du ein neuer Künstler bist, muss es beängstigend sein." Die großen Plattenfirmen sorgten nach wie vor dafür, dass Künstler von Verkäufen über iTunes nichts zu sehen bekommen und umgekehrt wüssten die Plattenfirmen derzeit sowieso nicht, was sie mit neuen Künstlern anfangen sollen.

Das gesamte Gespräch zum Lesen oder Hören gibt es bei Wired.

Udo Raaf / Tonspion.de

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