Xavier Naidoo und Söhne Mannheims - "Nie mehr Krieg"

Musikalisches Statement gegen den Krieg - mit Beigeschmack

Xavier Naidoo hat einen neuen Song unter dem Namen Söhne Mannheims veröffentlicht. Mit "Nie mehr Krieg" protestiert er gegen den Syrien-Einsatz der Bundeswehr. Doch er kann es nicht lassen, seinen Liedern eine höchst fragwürdige Botschaft unterzujubeln.

"Nie mehr Krieg, nie mehr Krieg. Wenn wir das nicht sagen dürfen, dann läuft doch etwas schief", singt Xavier Naidoo in seinem neuen Lied, das er den Journalisten und IS-Experten Jürgen Todenhöfer veröffentlichen ließ. 

Die Botschaft ist klar: Deutschland ist dabei, sich in einen Krieg verstricken zu lassen, den niemand gewinnen kann. Gegen einzelne Täter in Europa kann man keinen Krieg führen und schon gar nicht in Syrien. Man wird durch einen Krieg gegen Zivilisten nur noch mehr Täter erschaffen, die keine andere Perspektive als das Jenseits mehr sehen. Insofern ist es ein nobles Vorhaben, ein Protestlied zu veröffentlichen, einen Tag bevor der Bundestag über den Einsatz abstimmt. 

Doch weiterhin pflanzt Naidoo in seine Texte Aussagen, die komplett unsinnig sind und die eigentliche Aussage übertönen, so wie der kleine Zusatz "wenn wir das nicht sagen dürfen". Niemand verbietet es in Deutschland, öffentlich für oder gegen einen Krieg zu sein und dies zu unterstellen ist nichts anderes als eine weitere abstruse Verschwörungstheorie, die nichts mit der Realität zu tun hat. Auch prophetische Sätze wie "Muslime tragen den neuen Judenstern" schießen weit übers Ziel hinaus und werden erneut Applaus von der falschen Seite bekommen. Es ist schlicht und ergreifend falsch und dumm, so einen populistischen Nonsens zu behaupten, wenn man eigentlich ein Antikriegslied machen will.

 

Xavier Naidoo fordert "Nie mehr Krieg" und raunt dann wieder etwas von "wenn wir das nicht sagen dürfen...", als wäre das in Deutschland verboten. Ist es nicht!

Posted by TONSPION on Donnerstag, 3. Dezember 2015

 

Dass Naidoo sein Lied nicht selbst veröffentlicht, nachdem er in letzter Zeit für seinen Geschmack vielleicht etwas zu viel in den Schlagzeilen war, ist verständlich. Zudem hat er gerade mit der Promo für seine TV-Show zu tun. Doch dass er mit seinem Protestlied einmal mehr Misstrauen gegenüber "dem System" sät und so tut, als wäre freie Meinungsäußerung in diesem Land verboten und als gäbe es in Deutschland eine massenhafte Verfolgung von Muslimen, lässt die Diskussion um seine kruden Botschaften erneut entfachen. 

Denn genau diese Masche ist es, die viele Leute einfach nicht mehr aushalten. Leute, die auch nicht alles toll finden, was unsere Regierung so macht. So zum Beispiel Rapper Weekend, der in diesem Interview sein und unser Unbehagen mit der Naidoo'schen "Propaganda" auf den Punkt bringt.

Erneut hat Naidoo die Chance vertan, die Vorwürfe gegen ihn zu entkräften, ein geistiger Brandstifter und Prediger der neuen Rechten zu sein und ein starkes und unvergiftetes Statement gegen einen unsinnigen Symbol-Krieg zu senden. Einen goldenen Aluhut hat er jedenfalls offenbar zurecht verliehen bekommen. 

Klügere Aussagen zum Krieg gegen den IS kommen aus einer ganz anderen Ecke: Eine ehemalige IS-Geisel, der französische Journalist Nicolas Henin, bestärkt die Kriegsgegner mit einem klaren Statement: "Was wir tun müssen - und das ist wirklich elementar - ist, dass wir die Bevölkerung mit einbeziehen. Sobald sie Hoffnung für eine politische Lösung haben, wird der islamische Staat in sich zusammen fallen."

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