Xingtone: Das Ende des Klingelton-Booms?

Klingeltöne lassen derzeit vor allem die Kassen der Musikindustrie klingeln. Doch mit dem lukrativen Nebengeschäft könnte es bald vorbei sein. In den USA ist ein Programm auf den Markt gekommen, mit dem sich jeder seine Klingeltöne selbst aus MP3 Dateien anfertigen kann.

Es ist das große Rätsel: während sich mit Klingeltönen derzeit enorm viel Geld machen lässt (die Masse der Werbespots auf Viva und MTV dokumentiert das eindrucksvoll), bleiben kostenpflichtige Musikdownloads für MP3 Player wie Blei in den Download-Shops von Phonoline und Co. liegen.

Während nach Angaben von Vodafone bereits mehr Handy-Klingeltöne als CDs verkauft werden, ergab dagegen eine Umfrage unter Tonspion-Nutzern, dass rund 77% aller Teilnehmer Klingeltöne als überflüssigen Kinderkram einstuften und sich noch nie einen einzigen Klingelton heruntergeladen hatten.

Vor allem Teenies scheinen sich also für das Handy-Gebimmel erwärmen zu können, wohl um sich mit ihrem Lieblingsstar vollkommen zu identifizieren und das der Welt lautstark mitzuteilen. Das führte bereits dazu, dass die Verschuldung der Minderjährigen in letzter Zeit enorm zugenommen hat, denn die Klingeltöne kosten rund 2 Euro und die Vorlieben der Kids ändern sich schnell.

Doch bald schon könnte auch diese Geldquelle versiegen, denn die Software Xingtone soll es auch technischen Laien erlauben, sich selbst Klingeltöne fürs Handy aus der eigenen MP3 Sammlung zu erstellen. Der Software ist es dabei egal, aus welcher Quelle das MP3 stammt und ob die Musik legal erworben wurde.

Xingtone kostet in den USA 15 $, in Europa laufen derzeit die ersten Tests.

Die Zeit läuft also wieder mal gegen die Geschäftsmodelle der Musikindustrie, die das Phänomen Klingelton als Zeichen für das Funktionieren der kostenpflichtigen Downloadangebote verstanden hatte.

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