Zehn Jahre MP3-Player

Eine technische Revolution feiert Geburtstag
Als Tonspion 1998 gerade das Licht des WWW erblickte, wurde etwa zur gleichen Zeit im bayerischen Schwarzenfeld an einem Gerät getüftelt, das den Musikmarkt verändern sollte: der erste mobile MP3-Player.

Nicht nur das MP3-Format, das drei Jahre zuvor in Erlangen vorgestellt wurde, auch der erste mobile Player stammt also aus der bayerischen Provinz. Die Firma Pontis entwickelte damals ein Gerät, mit dem man Musik im MP3-Format vom Computer übertragen und ständig mit dabei haben konnte.

Der große Vorteil eines MP3-Players gegenüber einem tragbaren Discman war, dass man damit z.B. laufen konnte, ohne Aussetzer der Musik befürchten zu müssen. Außerdem konnte man die Titel beliebig oft überspielen, ohne einen Qualitätsverlust befürchten zu müssen. Der Pontis MPlayer3 hatte eine Speicherkapazität von 2x16 MB, was maximal 2 CDs entspricht. Gespeichert wurde die Musik auf eine MultiMediaCard. Damit blieb auch Pontis dem Tonträger treu.

Frühe Plattenfirmenstrategen grübelten eine Zeit lang ernsthaft darüber nach, statt CDs nun MMCs mit MP3-Dateien in die Regale der Plattenläden zu stellen. Andere führende Manager überlegten gar, MP3-Player gerichtlich verbieten zu lassen, da sie "einer zunehmenden Netzpiraterie Vorschub leisten", so das Argument von Peter Zombik, dem damaligen Geschäftsführer des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft. Das tatsächlich Revolutionäre an der MP3-Technologie verstanden damals nur wenige Brancheninsider.

Der wahre Durchbruch des MP3-Formats folgte dann auch erst wenige Zeit später, als die Speicherkapazitäten immer weiter über das hinaus gingen, was eine handelsübliche CD zu bieten hatte und immer mehr Musik im Internet zur Verfügung stand - dank des langen Dornröschenschlafs der Musikbranche zunächst fast ausschließlich kostenlos. Firmen wie Saehan aus Korea und Rio aus den USA brachten die ersten erfolgreichen MP3-Player auf den Markt. Sie verabschiedeten sich vom Tonträger und setzten stattdessen auf eingebaute Speicher.

Zum weltweiten Massenmarkt wurde das Geschäft mit den tragbaren MP3 Playern aber erst im Jahr 2001 als Apple seinen ersten iPod mit einer integrierten 5 GB-Festplatte vorstellte - und sich gleichzeitig rund 80 Millionen Nutzer auf Napster tummelten, um Musik zu tauschen. Was daraus wurde ist bekannt: Der iPod wurde in den folgenden Jahren zum Synonym für MP3-Player. Und heute verdienen Musikmanager wie Peter Zombik ihre Brötchen sogar in erster Linie mit den Absätzen, die Apple mit seinem iTunes-Shop erzielt. So schnell ändern sich die Zeiten - und die Ansichten.

Die kleine Firma Pontis jedoch konnte vom großen Erfolg der tragbaren MP3-Player nicht profitieren. Sie ging nur kurze Zeit nach der Vorstellung ihres ersten MP3-Players pleite und stellte die Produktion ein.

Udo Raaf / Tonspion.de

Einen visionären Beitrag von Walter Gröbchen für "Die Zeit" aus dem Jahr 1998 zur Markteinführung des ersten MP3-Players gibt es hier nachzulesen.

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