Zukunftsmusik.com: Das Ende der Privatkopie

Nach der jüngsten Novelle des Urheberrechts (wir berichteten), wird seit gestern über weitere gesetzliche Einschränkungen hinsichtlich digitaler Kopien diskutiert. Der Phonoverband IFPI hat nun einen Forderungskatalog vorgelegt, der weitreichende Konsequenzen für den zukünftigen Umgang mit Musik hätte.

Nachdem jetzt die Umgehung von Kopierschutzmechanismen, sowie der Download urheberrechtlich geschützten Materials von Tauschbörsen gesetzeswidrig geworden ist, soll das Recht auf die Privatkopie nach dem Willen der Musikindustrie jetzt vollends abgeschafft werden. Das Vervielfältigen von Musik über CD-Brenner oder Tauschbörsen habe inzwischen "Ausmaße angenommen, die für die Musikindustrie existenzbedrohend sind", so die Begründung der drastischen Forderungen.

Hier der Forderungskatalog der IFPI im Einzelnen:

1. Privatkopien sollen nur noch analog gestattet sein. Digitale Kopien (1:1 Kopien) sollen zukünftig nur noch kostenpflichtig zu haben sein.

2. Drastische Einschränkung bei der Ausnahmeregelung, die eine digitale Vervielfältigung weiterhin erlaubt (etwa für Behinderte oder für wissenschaftliche Zwecke).

3. Zur Durchsetzung der Kopierschutzmechanismen sollen in Zusammenarbeit mit Hardware-Herstellern "bilaterale, intelligente Kopierschutzsysteme" entwickelt werden. Also Geräte, die nur kopiergeschütztes Material abspielen können. Hersteller von Geräten, mit denen man Musik kostenfrei digital vervielfältigen kann, sollen mit saftigen Gebühren belegt werden, um sie für den Verbraucher unattraktiv zu machen. Es enstünde nach Vorstellung der IFPI ein völlig neuer Markt für Privatkopien.

4. Abschaffung des "Sendeprivilegs" für Hörfunkanstalten. Das heißt, ein Radiosender soll Musik nur noch mit Einverständnis einer Plattenfirma spielen können. Damit könnte man unliebsamen Sendern quasi den Saft abdrehen. Vor allem soll damit gesteuert werden können, wann ein Titel gespielt wird, um Verkäufe nicht zu gefährden.

5. Vergütungsanspruch für "öffentliche Wahrnehmbarmachung" von Musik. Das würde in der Konsequenz das Ende von Angeboten wie Tonspion bedeuten und das Ende von jeglicher kostenloser, legaler Musik im Internet. Denn kostenlose Musik wäre für Anbieter damit nicht mehr bezahlbar.

6. Künstler sollen die Rechte für neue unbekannte Nutzungsarten an Tonträgerindustrie abtreten, damit die schnell auf neue technologische Entwicklungen reagieren können, ohne nachzuverhandeln.
Schon jetzt nutzen zahlreiche Top-Künstler die Lücken in ihren Verträgen, um sich online von ihren Plattenfirmen abzukoppeln und kündigen an, zukünftig ohne Plattenfirma arbeiten zu wollen. Das soll durch einen solchen Freibrief für alle Nutzungsrechte verhindert werden.

Das Bundesjustizministerium kündigte bereits an, eine "kooperative Gesetzgebung" mit der Musikindustrie anzustreben. "Für die analoge Privatkopie galt die Maxime: `Was wir schützen können, schützen wir, wo wir nicht schützen können, kassieren wir`. Es gibt keinen vernünftigen Grund, das für die digitale Kopie anders zu sehen", so Bundesjustizministerin Zypries (Foto). Gleichzeitig zeigte sie sich verunsichert, in wie weit das neue Urheberrecht der Realität gewachsen ist. Sie hoffe, dass die Praxis mit dem Passus, dass Musik aus "offensichtlich rechtswidrigen Quellen" verboten sei, zurechtkomme. Denn was "offensichtlich" ist und was nicht, werden die Gerichte im Einzelfall entscheiden zu haben.
Der Entwurf für die zweite Novelle soll bereits Ostern 2004 stehen. Ob alle Forderungen der Musikindustrie darin zu finden sein werden, darf aber wohl bezweifelt werden. (ur)

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Empfehlungen