Zwei Jahre digitale Musikshops

Und fünf Gründe, warum sie (noch) nicht funktionieren
Zwei Jahre ist es schon wieder her, da ging der Musikshop von Apple iTunes in den USA an den Start. Und löste in der Branche eine Aufbruchstimmung aus. Zwei Jahre später bleibt festzuhalten: so richtig überzeugend ist das alles noch nicht.

Zahlreiche Anbieter sind inzwischen auf dem Markt, einige mehr, die meisten eher weniger erfolgreich. Und weiterhin nutzen Millionen Musikfans lieber Tauschbörsen, als die legalen Angebote.
Washington Post Kolumnist Rob Pegorano bringt`s auf den Punkt und nennt fünf Gründe, warum Downloads shoppen keinen Spaß macht.

1. Das Angebot ist nicht umfassend genug

Die Downloadshops verfügen meistens nicht über sämtliche Rechte, dürfen beispielsweise keine Songs der Beatles verkaufen. Außerdem sind die Kataloge der Künstler nicht vollständig. Remixe, Bonustracks und andere Raritäten sucht man meistens vergeblich und sind nach wie vor eher in Tauschbörsen zu finden, wo Musikkenner ihr liebevoll gepflegtes Archiv bereitstellen. Diese Liebe zum Detail lassen die Downloadshops missen. Shops mit offenen Audioformaten, z.b. MP3 oder Ogg Vorbis wie emusic oder finetunes dürfen hingegen das Repertoire der großen Plattenfirmen generell nicht anbieten und müssen daher mit einem enormen Nachteil leben.

2. Kein Wettbewerb in der Preisgestaltung

Zwar hört man hier und da munkeln, dass die Preise für Downloads sich schon noch finden werden. Doch scheint es immer noch nicht möglich, unter die magische 99 Cent-Grenze für Downloads zu gehen, um einfach mal auszuprobieren, ab welchem Preis die Musikhörer tatsächlich auch gerne zu Kunden werden. Apple war und ist hier Vorreiter und will von seinem Einheitspreis von 99 Cent nicht abrücken.
Aber auch die Musikbranche, einschließlich der meisten kleinen Labels, ist nach wie vor nicht bereit, sich mit weniger zufrieden zu geben, um einen neuen Massenmarkt endlich zu erschließen. Das verhindert eine flexiblere Preispolitik: ältere Titel könnten beispielsweise billiger angeboten werden als Chartstitel. Und kostenlose Downloads sind ebenfalls Fehlanzeige bei den meisten Anbietern.

3. Privatkopien verboten

Bei vielen Anbietern darf man nicht, wie von einer CD, Privatkopien für Freunde anfertigen. Ein erheblicher Nachteil gegenüber dem alten Tonträger, mit dem man - im privaten Rahmen - machen kann was man möchte, sofern er nicht mit einem Kopierschutz versehen ist. Die Bevormundung des Kunden ist nach wie vor ärgerlich und ein Grund mehr - wenn überhaupt - weiterhin lieber ungeschützte CDs zu kaufen.

4. Keine freie Wahl von Soft- und Hardware

Die meisten Anbieter versuchen sich gegenüber der Konkurrenz durch unterschiedliche Audioformate und Abspielgeräte abzugrenzen. Vor allem Apple muss man den Vorwurf machen, zuallererst den Verkauf seines iPod im Sinn zu haben und sich hermetisch gegen Wettbewerber abzuriegeln. Das ist gegen die Kunden und gegen die Musik. Das ist reine Profitgier.

5. Kopierschutz kills music

Nur Anbieter von Independent Musik sind längst dazu übergegangen, auf den lästigen Kopierschutz zu verzichten, der schon auf CD nicht funktioniert hat. Die Major-Labels hingegen sperren sich nach wie vor kategorisch gegen eine Öffnung hin zu nicht eingeschränkten Formaten. Immerhin, so Pegorano, hat sich im Vergleich zu den ersten Downloadshops der Plattenfirmen einiges getan, die damals ihre Wunschliste umsetzten und dadurch so unattraktiv waren, dass sie keine Chance hatten, sich durchzusetzen.
Dennoch scheint es noch ein langer Weg, bis die Majors es den meisten Indies gleichtun und ihren Kunden nicht grundsätzlich unterstellen, kriminell zu handeln. Wenn sie so überzeugt davon sind, dass Downloads der Zukunftsmarkt sind, sollten eigentlich schnellstens Angebote geschaffen werden, die Tauschbörsen haushoch überlegen und nicht eindeutig schlechter sind.

Fünf einfache klare Thesen, warum es mit dem Verkauf von Downloads noch nicht so recht klappen will. Thesen, die wohl fast jeder Kunde unterschreiben würde, sofern er nicht eingefleischter Apple-Fanatiker ist. Der beißt ja gern in jeden Apfel, auch wenn er sauer schmeckt.
r
Es gibt keinen einzigen Anbieter, der alle Forderungen erfüllen würde, obwohl einige bereits auf einem guten Weg sind.
Doch wenn Realität werden soll, was Universal-Chef Larsen jetzt schon weiß, dass nämlich Bezahl-Downloads die CD schon bald komplett ablösen werden, dann muss noch einiges geschehen. Sonst wird es für die Musikindustrie frei nach Apple (und Janko Röttgers) doch bald heißen: Mix, Burn & R.I.P. (ur)

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.
Folge uns auf Facebook:

Ähnliche News

Apogee Element 88 - Audio Interface der Spitzenklasse

Apogee Element 88 - Audio Interface der Spitzenklasse

Das Mac-optimierte Audio Interface für professionelle Liveauftritte und Studioaufnahmen
Musik wird heute in erster Linie am Computer produziert. Dazu benötigt man ein professionelles Audio Interface, das die eingehenden Signale ohne Verluste umwandelt. Das Apogee Element 88 ist speziell für Mac optimiert und ermöglicht, eine komplette Band mit dem Macbook oder iPad aufzunehmen. Wir haben uns das Gerät angesehen.
Kodak Ektra (Foto:Produktbild)

Ektra: Kodak stellt neues Kamera-Smartphone vor

Das Handy im Look einer Retro-Kamera
Mit dem Ektra will Kodak endlich den Einstieg in den Smartphone-Markt schaffen. Aber ist das Kamera-Handy eher ein lässiges Hipster-Accessoire als eine echte Kamera-Alternative?
iPhone7plus black (Apple)

iPhone 7 Plus bereits vor Verkaufsstart ausverkauft

Düsterer TV-Spot für neues iPhone vorgestellt
Wer sich morgen zum Verkaufsstart das neue iPhone 7 Plus im Geschäft holen möchte, könnte eine böse Überraschung erleben. Der erste TV-Spot des neuen iPhones erinnert unterdessen an einen Horrorfilm.
AirPods

Apple: iPhone 7 ohne Kopfhörereingang

Neues iPhone wurde gestern vorgestellt
Wer sein iPhone auch als MP3-Player für unterwegs nutzt, könnte in naher Zukunft mit Schwierigkeiten konfrontiert werden. Apple verabschiedet sich Apple vom klassischen Kopfhörereingang per Miniklinke und stellt stattdessen einen überteuerten Bluetooth-Kopfhörer mit 5 Stunden Laufzeit vor.