120 Days II

120 Days II

120 Days

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Es widerspricht jeder betriebswirtschaftlichen Vernunft, wenn eine Band nach ihrem hochgelobten Debütalbum und erinnerungswürdigen Auftritten von der Bildfläche verschwindet. Wie gut, dass Popmusik nicht ausschließlich nach diesen Maßstäben funktioniert, und sich 120 Days mit einem neuen Album blicken lassen.

Zu hören sind Jonas Dahl, Kjetil Ovesen, Arne Kvalsik und Adne Meisfjord in den letzten fünf Jahren trotzdem gewesen, unter anderem mit den Shoegazern von Serena-Maneesh. Nur gemeinsam sollte es nach zu viel Zeit on tour nicht mehr zusammen gehen. Ein halbes Jahrzehnt später haben sie ihren Marquise de Sade noch einmal gelesen, Primal Screams „XTRMNTR“ und die Alben von Neu! konzentriert gehört, und ihren Synthie-Park neu verkabelt und verlötet.

Bei ihren zwei Gigs auf dem Eurosonic Festival in Groningen konnte man sehen, dass 120 Days sich noch tiefer in die Schaltkreise ihrer imposanten Elektronik-Sammlung vertieft haben. Euphorie und Trance halten sich dabei die Waage, die Energie ihrer Songs ist allerdings eindeutig Rock. Dazu passt auch Sänger Adne Meisfjords konsequente Stilisierung als norwegische, schlecht gelaunte Version von Hyde aus der Serie „Die wilden 70er“, der statt Hendrix Bobby Gillespie auf Poster an der Wand hat.

„120 Days II“ ist weniger ein Update ihres zugedröhnten Debüts als die konsequente Konzentration auf das Wesentliche: Endlose Arpeggios, Loops, Beats mit Druck und die pure Freude an allem, was sich für eine ordentliche Realitätsflucht missbrauchen lässt. Natürlich am besten zu erleben, wenn die vier Norweger in realiter vor einem stehen.

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