Abschied von Gestern

Afrob - Abschied von Gestern

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20 Jahre nach "Rolle mit Hip Hop" befindet sich Afrob in Höchstform. Sein siebtes Soloalbum "Abschied von Gestern" fühlt sich wie ein Best Of an.

"Scheitern gehört zum Leben / Ich kann's belegen", rappt Afrob in "Stein auf Stein". Der 42-Jährige hat Höhen und Tiefen erlebt. Doch mittlerweile ist der in Venedig geborene Rapper mit sich, der Szene und der restlichen Welt im Reinen. Auf "Abschied von Gestern" blickt er zurück und zieht ein Fazit. Das Album vereint Inhalte und musikalische Ansätze, die ihn seit "Rolle mit Hip Hop" begleiten.

Nicht umsonst schenkt er seiner Liebe zum Rap mit "Rolle mit Hip Hop II" eine ultimative Hymne – Namedropping der Lieblings-Rapper inklusive. Auf "Aua, Aua" kann er es nicht lassen und zitiert sogar Run DMC. Wer braucht Cuts, wenn er es selber erledigen kann? Doch Rap über Rap nimmt nicht den Großteil der Platte ein. "Diese Welt", "Flüchtling4Life", "Stadtmensch" und "Offline" – allein die Liedtitel verraten bereits die breite Themenpalette.

Video: Afrob – Stadtmensch

Afrob trägt seine Zunge auf dem Herzen, bringt aber auch eine Intelligenz mit, die fragwürdige Zeilen ausschließt. Stattdessen füllt er seine Songs mit Erzählungen und Alltagsbeschreibungen, die er nachvollziehbar verpackt. Das schließt niemanden aus, egal welcher Schicht, Nation oder Altersklasse sie oder er angehört. Weil die Musik so textlastig ausfällt, treten im Laufe der 60 Minuten allerdings Ermüdungserscheinungen auf.

Aus dem Akustikprojekt "Beats, Rhymes & Mr. Scardanelli" von 2017 hat Afrob die Bläser mitgenommen. Tuba, Trompete und Saxofon toben sich auf Stücken wie "U.N.I.T.Y. 2020", "Ich war noch nie in Paris" und "Wo gehör ich hin" aus. Ansonsten verlief die Beat-Auswahl klassisch. Die Geschwindigkeiten liegen zwischen 80 und 100 bpm und die Snare kommt meistens auf die zwei und vier.

Afrobs Musik klingt altmodisch, aber nicht aus der Zeit gefallen. Nach wie vor besitzt er eine der charismatischsten Stimmen der deutschen Hip-Hop-Szene. Seinen sauberen, aber früher ebenso langweiligen Flows hat er längst eine Frischzellenkur verpasst. Der Wahl-Berliner spielt mit seiner Stimme wie Maradona mit dem Ball. Abgehackt, Stop-&-Go, atemlos – kaum eine Technik, die er nicht beherrscht.

"Abschied von Gestern" hält, was der Titel verspricht. Inhaltliche und musikalische Elemente aus 20 Jahren Afrob ergeben ein Album, das den Rapper auf einen künstlerischen Zenit hievt. Hätte er den einen oder anderen Lückenfüller gestrichen, wäre "Abschied von Gestern" das vielleicht beste Afrob-Album aller Zeiten geworden.

Video: Afrob feat. Haze – Stein auf Stein

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