Amon Amarth - Jomsviking

Amon Amarth - Jomsviking

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Die Wikinger von Amon Amarth sind nach einer längeren Verschnaufpause zurück aus Valhalla und bereit, sich den skandinavischen Metal-Thron zurückzuerobern. Bleibt nur die Frage, ob sie es einmal mehr schaffen, ihre selbst auferlegte Beschränkung auf die Wikingerthematik auch nach fast fünfundzwanzig Jahren Bandgeschichte erfrischend zu interpretieren.

Und die Antwort lautet: Ja.

Diesmal ziehen die bulligen Schweden um Oberbartträger und Schreihals Johan Hegg als die legendäre nordische Söldnertruppe der Jomswikinger durch die Lande. An Biss haben sie nicht verloren, ihre Äxte schneiden immer noch haargenau, wie der Opener "First Kill" beweist.

Ein zweistimmiges Einstiegsriff unterlegt von unheilverkündendem Getrommel ist zwar nicht unbedingt innovativ, ihre Wirkung verfehlen die ersten Sekunden der Platte aber keineswegs. Spätestens wenn Hegg die Story des besungenen Outlaws mit den Worten "The first man I killed was the earl's right-hand man" beginnt, ist man sofort in der fantastischen Welt von Amon Amarth um Krieg, Met, Liebe und Loyalität gefangen.

Auf Amon Amarths zehntem Album wird nämlich eine zusammenhängende Geschichte erzählt, man könnte es schon fast als Konzeptalbum bezeichnen. Es geht um einen jungen Mann, der unglücklich verheiratet ist, aber ein anderes Mädchen liebt. Als diese ihm weggenommen werden soll, tötet er erstmals einen Mann und er muss fliehen. Er fühlt sich betrogen und denkt, dass sein Leben zerstört worden ist, also schließt er sich der Söldnertruppe der Jomswikinger an, um seine Rache umzusetzen.

Was folgt, ist alles, was das Wikingerherz begehrt: Schlachten ("On A Sea Of Blood"), Trinken ("Raise Your Horns") und noch mehr Schlachten ("One Thousand Burning Arrows"). Letztgenannter Song endet übrigens in einem behäbigen, aber hypnotischem Tom-Tom- und Gitarrensturm, der einem durchaus die Haare im vom Headbangen trainierten Nacken nach oben kitzeln kann.

Seine Rache bekommt unser Protagonist ("Vengeance Is My Name"), ein Happy End wäre allerdings nicht sonderlich nordisch. Und so entwickelt sich im brachialen Soundkleid der Schweden letztendlich natürlich eine Tragödie, das muss so sein. Außerdem lechzen die Fans nach traurigen Enden, die offen bleiben und einen weiter beschäftigen.

Ein rosarotes Happily-Ever-After wäre zwar tatsächlich innovativ im Genre des Death Metals, der Popularität Amon Amarths würde das wohl aber nicht helfen. Und so ist das siebenminütige "Back On Northern Shores" ein konsequenter Abschluss des Metal-Epos.

Die Produktion ist wie gewohnt äußerst fett und knallt so dem Hörer Bass und Drums in die Magengrube, während die verzerrten Gitarren blitzschnelle Melodien ins Trommelfell ritzen. In den ruhigen Momenten können die Schweden nicht ganz so überzeugen und die Zusammenarbeit mit unserer Metal-Legende Doro geht leider komplett in die schwarze Lederhose.

Auch die Überraschungsmomente fehlen auf "Jomsviking", Amon Amarth untermauern dennoch einmal mehr, dass sie im Gegensatz zu Kollegen wie In Flames auch nach über zwei Jahrzehnten ihren Style weiter verfeinern können, ohne sich in Einfallslosigkeit zu verlieren. Thematisch wird sich bei den vier gestandenen Mannsbildern nicht mehr viel ändern, muss es aber auch gar nicht, denn das Wikingerdasein ist sowohl Trademark als auch Erfolgsrezept.

In diesem Sinne: Hörner hoch!

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