One Breath

One Breath

Anna Calvi

Redaktionswertung: 
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sehr gut

Zweieinhalb Jahre nach ihrem gefeierten Debütalbum beweist die britische Gitarristin und Sängerin Anna Calvi mit "One Breath", dass sie keineswegs eine Eintagsfliege war.

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Calvis Ideal, das sie mit ihren MitmusikerInnen Molly Harpaz (Harmonium, Percussion), Daniel Maiden (Drums), John Baggot (Keyboards) und Fiona Brice (Streicher) zu verwirklichen sucht, ist ein atmosphärischer, dramatischer, überbordender Sound, der parallel zu den Lyrics Geschichten erzählt – die auf „One Breath“ auf eigenen Erfahrungen fußen. Das eindringliche „Tristan“ zum Beispiel basiert einerseits auf dem tragisch-klassischen Stoff der Wagner-Oper „Tristan und Isolde“, hat aber auch ganz jetztzeitigen und vielleicht biografischen Bezug. Auch „Carry Me Over“, „Cry“ und „Piece By Piece“ sind inhaltlich düster und die Musik unterstreicht das in mal fragiler, mal überwältigender Weise. Bottleneck-Surf-Gitarren, Moll-Akkorde, Filmmusik-Anmutungen, die Goldfrapp so nahe sind wie Ennio Morricone – und doch mit nichts und niemandem direkt vergleichbar sind.

Anna Calvi - One Breath (Drei Songs im Stream)

In den Stücken passiert sehr viel und häufig spielen sich die interessantesten Effekte im Hintergrund ab. Man soll, man muss genau hinhören – Calvis bereits erwähnte Vibrato-Mehroktavenstimme und ihr exorbitantes Gitarrenspiel stehen zwar klar im Fokus, doch niemals machen Stimme und Gitarre alles andere platt: Calvi zieht sich im richtigen Augenblick zurück, um Platz für Geigen und Marimba zu machen; bevor ihr Gesang zu Siouxsie'eskem Donnerhall anschwillt, löst er sich im Background-Chor auf, wird Teil des Ensembles. Die vorab veröffentlichten Songs „Eliza“ und „Suddenly“ schließen an ihre Hits von 2011, „Desire“ und „Suzanne and I“ an: pathetisch, bombastisch, aber auch poppig und eingängig.

Und wie viel Spaß sie am Gitarrespielen hat, hört man in „Love Of My Life“, das sich in seiner an The Knacks „My Sharona“ erinnernden, knackigen New-Wave-Rockigkeit von den anderen Stücken ziemlich abhebt: hier lässt sie die Telecaster jaulen und kreischen, dass es eine wahre Freude ist. Und sie selbst klingt beim oh-oh-oh-oh-oh-Gesang sogar richtig lustig und übermütig. Das kann Anna Calvi nämlich auch sein

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