Swanlights

Swanlights

Antony & The Johnsons

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Zwölf Jahre nach Erscheinen des ersten Studioalbums bringt Antony Hegarty mit seinen Johnsons das vierte Album heraus. Konsequent löst er sich mit jedem Album weiter von klassischen Songstrukturen und komponiert stattdessen anspruchsvolle Kammermusik mit ganz viel Gefühl.

Noch konsequenter als auf dem Vorgänger weigert sich Antony auf "Swanlights", die Erwartungshaltungen zu bedienen und hübsch-traurige Balladen wie "You Are My Sister" oder "Hope There Is Someone" zu schreiben. Mit Ausnahme des hier verfügbaren "Thank You For Your Love", das noch am ehesten an seine Anfangszeit erinnert. Ansonsten verzichtet Antony weitgehend auf die klassische Bandbesetzung, auch wenn weiterhin der Konzertflügel die Basis für seine Kompositionen darstellt.

Stattdessen hört man diverse klassische Instrumente, Bläser, Streicher und gelegentlich ein paar Tupfer einer elektrisch verzerrten Gitarre. Alles wie immer gekonnt auf den Punkt arrangiert und dramatisch inszeniert. Mal ganz ruhig und meditativ, mal mit nervenzehrenden, repetitiven Motiven. Über allem thront wie immer die androgyne Stimme von Antony selbst, an der sich dank Tonfarbe und Tremolo die Geister scheiden. Entweder man liebt sie oder man hasst sie, dazwischen gibt es nichts. Und inzwischen lieben diesen schüchternen Paradiesvogel so viele Menschen, dass er die großen Opernhäuser problemlos füllt und auch schon mal mit Symphonieorchestern auftritt.

Höhepunkte des Albums sind der leise, intensive Titelsong sowie das Duett mit Björk "Flétta". Hier lässt sich nur erahnen wie seelenverwandt Björk und Antony sind, mit ihrer Art, sich selbst und ihrem Publikum auch etwas abzuverlangen - und sie dann doch immer wieder zu belohnen mit Momenten, die ganz tief unter die Haut gehen. "Swanlights" braucht etwas Zeit und Muse. Das Album ist nichts für den schnellen Wohlfühlkick, sondern fordert ein paar Durchläufe, bis sich die kleinen musikalischen Kunstwerke zu ganzer Größe entfalten. Und das ist in unserer schnelllebigen Zeit eine echte Wohltat.

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